Aus der Szene

Was ist los beim deutsch-dänischen Promi-Fintech Hufsy???

12. Juli 2019

Von Heinz-Roger Dohms

*Hinweis, 12. Juli, 9.20 Uhr: Hufsy hat nach Erscheinen der Artikels zu unseren Recherchen Stellung bezogen, das Statement finden Sie am Ende des Artikels.

Bislang war das deutsch-dänische Promi-Fintech Hufsy ein durchaus medienaffines Unternehmen. Als der KMU-Konto-App-Anbieter 2017 seinen offiziellen Launch feierte, konnte man Artikel lesen wie „Diese Gründerin nimmt es mit den deutschen Banking-Startups auf“.  Oder: Als der sogenannte „No. 1 Global FinTech Influencer“ Spiros Margaris ins Board von Hufsy einzog, wurde selbstverständlich eine Pressemitteilung online gestellt. Und: Noch Ende März veröffentlichte der „Bankingclub“ ein „Sechs Fragen an den Hufsy-Chef“-Interview, in dem derselbe Hufsy-Chef Dinge sagte wie: „Unsere oberste Priorität ist es, einer der großen Player im deutschen Firmenkundengeschäft zu werden.“

Gestern indes: War das deutsche-dänische Startup partout nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht für Finanz-Szene.de.

Und irgendwann am Abend: Fehlten auf der „About“-Seite der Hufsy-Homepage das Management und die „Board & Advisors“-Leute. Dabei hätten wir schwören können, dass die da morgens noch alle drauf gewesen waren auf der Seite. Immerhin: Im Webcache („Es handelt sich dabei um ein Abbild der Seite, wie diese am 8. Juli 2019 20:11:43 GMT angezeigt wurde“) waren die Köpfe diese Nacht dann doch wieder bzw. doch noch zu sehen. Sonst hätten wir noch an unserer eigenen Wahrnehmungsfähigkeit zu zweifeln begonnen. „Chairman of the Board“ ist/war dem Webcache zufolge übrigens Fintech-Forum-Gründer Frank Schwab. Laut seines Linkedin-Profils war es das diese Nacht auch immer noch.

Jedenfals, warum wollten wir überhaupt mit Hufsy sprechen? Finanz-Szene.de war ein financeAds-Newsletter aus dieser Woche zugespielt worden. Dazu muss man wissen: FinanceAds ist das vermutlich größte deutsche Affiliate-Netzwerk für Banken, Fintechs und Versichungen. In dem Newsletter stand:

„Lieber Partner, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Vermarktung des Hufsy Geschäftskontos zum 26. Juli 2019 auf unbestimmte Zeit pausiert wird. Bitte entfernen Sie bis spätestens 26. Juli 2019 alle Werbemittel von Ihren Seiten. Alle bis einschließlich 26. Juli 2019 generierten Leads werden regulär bearbeitet.´Vielen Dank für Ihre Teilnahme. Liebe Grüße, Ihr Team von financeAds“

Nun kann es für so ein Pausieren viele Gründe geben. Aber: Was ist im konkreten Fall der konkrete Grund?

Dann gab es gestern bei Twitter einen Dialog, der ebenfalls Fragen aufwirft (wobei wir diese Tweets erst entdeckt haben, nachdem erste Versuche der Kontaktaufnahme unsererseits bereits gescheitert waren):

Konkret, wie waren wir vorgegangen: Wir hatten den „Chairman of the Board am späten Vormittag bei Twitter angemorst mit der Bitte, ob man mal telefonieren könne. Als wir dann allerdings konkretisierten, dass es um Hufsy gehen solle, wurde diese Bitte negativ beschieden.

Auf der Homepage von Hufsy fanden wir sodann eine E-Mail-Adresse für Presseanfragen. An diese Adresse schrieben wir eine Mail, in der wir an der inhaltlichen wie zeitlichen Dringlichkeit unserer Anliegens keinen Zweifel ließen. Als hierauf keinerlei Reaktion kam, wandten wir uns an eine Berliner PR-Agentur, die früher mal die Medienarbeit für Hufsy gemacht hat. Dort hieß es, dass man für das Unternehmen zwar nicht mehr tätig, aber trotzdem gern behilflich sei. Sehr nett, sehr professionell.

Wir schickten dem PR-Spezialisten also die zeitlich wie inhaltlich dringliche Anfrage, die wir vorher schon an die Hufsy-Mailadresse und übrigens auch via Twitter an den „Chairman of the Board“ geschickt hatten (und zwar, nachdem unsere zunächst allgemeine Bitte, zum Thema Hufsy zu telefonieren, wie gesagt negativ beschieden worden war).  Bald darauf meldete sich der PR-Spezialist mit der Nachricht:

„Ich habe jemanden bei Hufsy erreicht:

Xxxxx xxxxxxxxx
Head of xxxxxxxxx
xxxxx@hufsy.com

Xxxxxxx xxxxxxx hat mir bestätigt, dass man sich um Ihre Anfrage kümmern wird!
Beste Grüße und noch einen schönen Tag.“

Bis gestern Abend, 23.45 Uhr, hatte sich allerdings niemand bei uns gemeldet. Vielleicht haben wir bis nächsten Dienstag, wenn Finanz-Szene.de das nächste mal erscheint, neue Informationen für Sie.

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*Hier das Statement von Hufsy-Chairman Frank Schwab, das uns Freitagfrüh um kurz  vor 9 Uhr erreichte:

Wir haben die Situation von Hufsy gründlich untersucht und festgestellt, dass das Engagement, das erforderlich ist, um das Unternehmen voranzubringen, zu groß war. Hufsy hat sich im aktuellen Wettbewerbsumfeld leider nicht so entwickelt wie wir das erwartet und gehofft hatten. Deshalb haben wir uns entschlossen die Betaphase in den nächsten Wochen einzustellen.

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