Exklusiv

Wie gut ist Finleap wirklich? Teil eins des großen Venture-Checks

16. November 2018

Von Heinz-Roger Dohms

Finleap – das ist eine Geschichte, die europaweit ihresgleichen sucht: Ein auf Fintechs spezialisierter Company Builder, der vier Jahre nach seiner Gründung schon mehr als 15 Finanz-Startups hervorgebracht hat, darunter hochbewertete Player wie Solarisbank oder Clark …

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Gleichwohl: Im Dauerjubel um das Berliner Fintech-Imperium ist eine Frage eigentlich noch nie gestellt worden: Wie gut sind die Ventures wirklich? Ist zum Beispiel die Solarisbank das viele Geld überhaupt wert? Was machen Fintechs wie Billfront oder Valendo, von denen man kaum noch etwas hört? Und wer sind die wahren Perlen in dem gewaltigen Portfolio?

„Finanz-Szene.de“ hat in den vergangenen Wochen jedes Finleap-Venture einzeln untersucht. Was dabei herausgekommen ist, wollen wir Ihnen nun in einer dreiteiligen Serie berichten. Im ersten Teil geht es heute um Finreach, Savedo, Moneymap und die Solarisbank. Die weiteren Teile folgen kommende Woche.

Solarisbank

Als „Finanz-Szene.de“ im Sommer die Ertragszahlen der Solarisbank veröffentlichte, war das ein kleiner Schock für die Startup-Gemeinde: Was, beim Parade-Fintech aus Berlin haben sich Zins- und Provisions-Überschuss 2017 nur auf 2 Mio. Euro summiert? Wobei: Der Whitelabel-Spezialist ist ja so richtig erst 2016 gestartet. Die Erlöszahlen waren insofern noch nicht allzu aussagekräftig. Kein Grund zur Panik.

Zumal: Im Frühjahr haben Investoren wie BBVA oder ABN Amro die Solarisbank mit satten 57 Mio. Euro ausgestattet. Ebenfalls positiv stimmt, dass zurzeit fast wöchentlich ein neuer Kooperationspartner (=Kunde) öffentlich wird. Zuletzt waren das unter anderem Crosslend, Bitwala, Tomorrow oder Modifi. Und noch ein Indiz, dass die Dinge bei Solaris nach wie vor in die richtige Richtung laufen: Das Topmanagement ist seit dem Start relativ stabil geblieben, mal abgesehen davon, dass dem Gründerteam zwischenzeitlich ein externer CEO aufgepfropft wurde. Dieser Schritt war aber angeblich von langer Hand geplant.

Was ansonsten auffällt: Die Solarisbank hat zwar in kurzer Zeit dutzende kleine Partner gewonnen. Ein Vorzeigekunde – also einer mit dem gewissen Wow-Faktor – aber fehlt bislang. Hinzu kommt, dass sich einer der wenigen größeren Partner, nämlich Autoscout, zwischenzeitlich Finanzcheck einverleibt hat. Es würde daher nicht überraschen, wenn Autoscout die Solarisbank irgendwann nicht mehr braucht.

Unterm Strich: Trotz kleinerer Rückschläge bleibt die Solarisbank (geschätzte Bewertung: 225 Mio. Euro) vorerst der größte Hoffnungsträger (oder zumindest: die größte Wette) im Finleap-Portfolio.

Unsere Bewertung: 6 bis 8 Congrats (maximal möglich: 10)

Savedo

Als der Finleap-Einlagenvermittler Savedo im vergangenen Jahr mit dem Hamburger Rivalen Deposit Solutions („Zinspilot“) zusammenging, schrieb eine Wirtschaftszeitung von der „Fintech-Hochzeit im Zinsgeschäft“. Die Realität war eine andere. Denn alle verfügbaren Indizien sprechen dafür, dass Savedo damals nicht vermählt, sondern aufgefangen wurde (eines dieser Indizien sieht so aus, dass Finleap heute einen Anteil von nullkomma-irgendwas Prozent an Deposit Solutions hält, wie sich im Handelsregister nachlesen lässt. Vermutlich die Entschädigung, die Finleap damals immerhin noch kassierte).

Bleibt die Frage, warum Savedo sich nicht durchgesetzt hat. Insider sagen: An der Einlagenplattform als solcher habe es nicht gelegen, die sei technologisch richtig gut. Ein Problem dürfte eher gewesen sein, dass sich Finleap – salopp formuliert – die falschen Gegner ausgesucht hat. Denn die beiden Stand-Alone-Konkurrenten Raisin („Weltsparen“) und Deposit Solutions („Zinspilot“) gehören seit Jahren zu den bestgeführten deutschen Fintechs. So spielte Raisin frühzeitig seine Funding-Vorteile aus (und das üppige Netzwerk seines Teams), während Deposit sich dank seiner parallel zum B2C-Geschäft vorangetriebenen B2B-Plattform rasch bei den Banken etablierte. Und Savedo? Kam da nicht mit.

Womöglich unterlief Finleap hier auch eine grundsätzliche Fehlannahme. Nämlich die, dass man als großer Inkubator seine Startups generell schneller am Markt skalieren lassen kann, als das stand-alone möglich ist. Bei Rocket Internet und also im E-Commerce hatte diese Logik noch gegriffen. Im Fintech-Bereich hingegen scheinen andere Gesetze zu gelten, vielleicht auch, weil die notwendige Technologie zum Aufbau erfolgreicher Startups heutzutage billiger ist als vor zehn Jahren. Was in dem Zusammenhang übrigens auffällt: Die Samwers selber sind beim Versuch, in der Finanzbranche Fuß zu fassen, weitgehend gescheitert. Siehe auch: Rockets 2016 gestartete eigene Einlagenplattform „Zinsgold“, von der man nie mehr was gehört hat.

Savedo dagegen: Existiert immerhin noch. Und: Die nullkomma-irgendwas Prozent, die Finleap heute an Deposit Solutions (aktuelle Bewertung: angeblich 500 Mio. Dollar) hält, sind inzwischen sogar ein bisschen was wert. Darum zum Trost immerhin noch:

3-4 Congrats

Finreach

Eine der ersten Finleap-Unternehmungen. Und als B2B-Spezialist eine Art Role Model für Finleaps weitere B2B-Ventures wie Solarisbank, Element, Elinvar oder Infinitec Solutions. Was heute allerdings kaum noch jemand weiß: Eigentlich war Finreach mal als Ad-Company gestartet (Idee: ein Performance-Marketing-Spezialist für die Finanzbranche). Nach wenigen Monaten folgte dann allerdings ein Pivot von 180 Grad. Und aus dem Marketing-Spezialisten wurde ein Kontowechsel-Spezialist.

Der machte sich bald einen Namen als das vielleicht solideste unter den Finleap-Ventures. Warum? Weil Finreach 1.) nach allgemeinem Dafürhalten ein gutes Management-Team hatte, weil Finreach sich 2.) den richtigen Markt aussuchte (denn Konten werden nun mal gewechselt; der politische Druck auf die Banken tat ein Übriges), weil Finreach 3.) schon bald über eine namhafte Kundenbasis verfügte (Deutsche Bank, DKB, Bawag etc.pp), und weil Finreach 4.) anders als Savedo mit dem wichtigsten Stand-Alone-Konkurrenten (in diesem Fall: das Kasseler Fintech Fino) von Anfang an sehr gut mithielt.

Die Strategie von Finreach sah nach unserem Eindruck lange Zeit so aus, dass man die mit dem Kontowechsel-Service gewonnenen Banken peu à peu für weitere Dienstleistungen begeistern wollte (Depotwechsel, KI-Anwendungen …). Ging der Mutter Finleap diese Entwicklung womöglich nicht schnell genug? Jedenfalls: In diesem Sommer verkündete der Inkubator plötzlich, dass Finreach unter dem Namen Finreach Solutions zu einem plattformbasierten Komplettanbieter von Retailbanking-Services ausgebaut werden soll. (immer noch unklar: War das der Grund, warum die Geschäftsführung wechselte?).

Dieser Ansatz klingt zwar ähnlich wie das, was Finreach ohnehin vorhatte. Scheint aber nun deutlich größeren Ambitionen zu folgen. Sprich: Mächtiger Angriff statt sukzessive Weiterentwicklung. Mehr Risiko. Mehr Chancen. Unter Vorbehalt:

6-7 Congrats

Moneymap

In unserer exklusiven Berichterstattung über den „ersten großen Portfolio-Umbau bei Finleap“ neulich hatten wir ja schon angedeutet: Einerseits können wir die Einbringung des Vertragsmanagers Moneymap in die neu geschaffene „Finreach Solutions“ inhaltlich nachvollziehen. Andererseits hegen wir den Verdacht, dass diese Transaktion ein wenig den Umstand verschleiern sollte, dass Moneymap nie wirklich durchgestartet ist.

Für diese Lesart spricht zum einen der Rückzug der Hypo-Vereinsbank aus dem einstigen Joint-Venture. Und zum anderen, dass abgesehen von der HVB und der Berliner Sparkasse nie ein B2B-Partner genannt wurde, der Moneymap wirklich einsetzte (gab es überhaupt weitere Partner?). Hinzu kommt: B2C – sagen Eingeweihte – war die Nachfrage nach der Moneymap-App ohnehin überschaubar.

Und das Positive? Angeblich war das Moneymap-Tool eines der Argumente, mit denen Finleap die Deutsche Vermögensberatung vor einigen Monaten für das Joint Venture „Fintech Solutions“  gewann. Sollte dem tatsächlich so gewesen sein, dann mit ein bisschen gutem Willen:

2-3 Congrats

Im nächsten Teil geht es dann u.a. weiter mit Clark, Billfront und Zinsbaustein.

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