04/06/19: Dresdner Bank, EZB, Deutsche Bank, Solarisbank

4. Juni 2019

Ähem, dürfen wir noch was zum Aufmacherthema zur IT-Panne bei der Commerzbank loswerden? Weil: Ist zwar schön, wenn die Ex-Dresdner-Kunden offenbar nicht betroffen waren von der IT-Panne gestern, jedenfalls aus Sicht der Ex-Dresdner-Kunden. Aber heißt das alles im Umkehrschluss dann nicht auch, dass die Commerzbank-IT im „Jahr 11 seit der Übernahme“ bzw. „im Jahr 8 seit Abschluss der Integration“ immer noch getrennt ist in einen gelben Teil und einen grünen Teil, wenn es um nächtliche IT-Manöver geht? Weil: mit der Dresdner-BLZ/IBAN passierte nichts, mit der Commerzbank-BLZ/IBAN schon? Dann wundert einen irgendwie gar nix mehr.

Themenwechsel. Eigentlich wollten wir das Kursdesaster der Deutschen Bank (die Aktie ist gestern erstmals unter 6 Euro gefallen) und der Commerzbank (die Aktie hat gestern allen Ernstes den 12. Tagesverlust in Folge erlitten) nur kurz vermelden. Weil: Die Frage nach dem „Warum“ können wir eh‘ nicht beantworten, dachten wir – es sei denn, wir liefern Ihnen mal wieder dieselben Erklärungen, die wir und andere Ihnen schon seit Tagen und Wochen vorkauen …

… dann aber machte uns eine Quelle auf den halbjährlichen EZB-Finanzstabilitäts-Bericht aufmerksam. Der war zwar eigentlich schon am vergangenen Mittwoch veröffentlicht worden. Und diverse Medien hatten durchaus auch daraus zitiert. Bloß: Kann es 1.) trotzdem sein, dass kein Journalist das Ding so richtig gründlich gelesen hat (kein Wunder bei 158 Seiten …)? Und kann es 2.) zugleich sein, dass einige Investoren dasselbe Konvolut sehr wohl gelesen haben, wenigstens im Laufe des langen Wochenendes? Das würde jedenfalls einiges erklären. Denn: Die EZB malt in ihrem Report schwarz, was die Profitabilitäts-Aussichten für Europas Banken für 2019 bis 2021 angeht. Und zwar nicht unter Worst-Case-Annahmen. Sondern quasi im Base Case. Hammerharter Stoff. Voilà: Finanz-Szene.de

Und wo wir schon mal beim Thema sind: Wann, glauben Sie, hat eigentlich zum letzten Mal ein Deutsche-Bank-Vorstand freiwillig (also nicht auf Basis irgendwelcher Programme) eine Aktie seiner eigenen Bank gekauft? Und wann war selbiges zuletzt bei einem Commerzbank-Vorstand der Fall? Sie werden erstaunt sein! Und sich nach Lektüre unserer kleinen Analyse vielleicht auch mal ganz grundsätzlich fragen, ob die beiden größten deutschen Geldhäuser überhaupt noch (auch) nach den Prämissen des Shareholder-Value geführt werden und ob über den Kursverlauf auf Hauptversammlungen nicht eher Krokodilstränen vergossen werden: Finanz-Szene.de

So, und bevor uns unsere Fintech-Leser die Freundschaft kündigen – natürlich gehen auch Sie in unserer News-Rubrik nicht völlig leer aus. Also: Gestern wurde verkündet, dass der Solarisbank-Mitgründer Marko Wenthin neuer Chef des Berliner KMU-Konto-App-Anbieters Penta wird. Das ist 1.) insofern eine richtig erfreuliche Nachricht, als sie bedeutet, dass Herr Wenthin (der seinen letzten Posten krankheitsbedingt aufgeben musste) wieder gesund ist. Trotzdem wollen wir  2.) nicht unerwähnt lassen, dass die Personalie durchaus auch „politisch“ interessant ist. Denn sie bedeutet, dass die Penta-Mutter Finleap (die das Startup Anfang April übernommen hatte) dem dreiköpfigen Management-Team (Jessica Holzbach, Luka Ivicevic, Lukas Zörner) einen CEO vor die Nase setzt.

Kurznachrichten: Die Deutschland-Tochter des finnischen Penta-Erzrivalen Holvi will ihre hiesigen Kunden von finnischen auf deutsche IBANs umstellen – was aus unserer Sicht ein schönes Indiz dafür ist, dass das mit dem Passporting so komplikationslos dann eben doch nicht immer funktioniert. (Mitteilung) +++ Der frühere Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler wird Beirat beim schweizerisch-deutschen Fintech Numbrs (Mitteilung) +++ Die Rettung der NordLB mit 3,5 Mrd. Euro Hilfen verzögert sich „aufgrund der Komplexität des Verfahrens und noch zu klärender Detailfragen“ (SZ)

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