04/07/19: Deutsche Bank, Basel IV, Iwoca, October

4. Juli 2019

Dass manchmal alles mit allem zusammenhängt, lässt sich diese Woche sehr schön an den beiden Themenkomplexen „Dt. Bank / Restrukturierung“ und „Basel IV / Aufschrei“ festmachen. So meldete die „Financial Times“ gestern, dass Deutschlands größtes Geldhaus für dieses Jahr mit einem Verlust rechnet, weil sich die Kosten für den geplanten Umbau auf bis zu 5 Mrd. Euro belaufen könnten. Dass das alles nicht so dolle fürs Eigenkapital und demnach auch die Kernkapitalquoten ist, versteht sich von selbst, sodass mittlerweile als ausgemacht gilt: Bei den jetzigen 13,7% wird’s nicht bleiben. Eher könnte es bis Jahresende Richtung 13,0% runtergehen (zur Erinnerung: Das Minimum liegt bei 11,8%).  FT (Paywall)HB.

Eine Kapitalerhöhung will die Deutsche Bank angeblich trotzdem unter allen Umständen vermeiden – womit wir beim zweiten Thema wären, dem „Basel-IV-Hammer“, wie wir es in unserem gestrigen Newsletter (jedenfalls in der „Banking-Ausgabe“) formuliert haben. Zur Erinnerung: Laut einer EBA-Studie fehlen Europas Banken bis 2027 rund 135 Mrd. Euro Eigenkapital, wobei es gerade die großen Banken seien, bei denen die größte Lücke klafft. Gestern nun taten die Chef-Alarmisten vom Bankenverband BdB kund, bei diesen 135 Mrd. Euro werde es nach jetzigem Stand noch nicht einmal bleiben. Denn: Die EBA habe in ihrer Erhebung gar nicht alle Parameter des neuen Regelwerks berücksichtigt. Wenn dem so ist, dann fragt man sich dann doch: Auch wenn 2027 noch weit weg ist – warum sollten die Aufseher der Deutschen Bank erlauben, ihr Eigenkapital im Spätherbst eines Aufschwungs auf Kante zu kalibrieren? BdB

Alles keine guten Nachrichten für Bank-Aktionäre, sollte man meinen – zumal die Regelung der Draghi-Nachfolge eine baldige Zinswende ja nicht eben wahrscheinlicher macht. Zumindest für den Moment scheint Investoren die Perspektive einer EZB-Chefin Lagarde besser zu gefallen als fehlende Kontinuität in der Geldpolitik. Seit‘ an Seit‘ ging es gestern jedenfalls für die Aktien von Commerzbank (+3,4%) und Deutsche Bank (+3,2%) nach oben.

Exklusiv: Iwoca hat vergangenes Jahr in Deutschland offenbar mehr Kredite vermittelt als der Marktführer Funding Circle. Immer schön, wenn ein Fintech konkrete Zahlen nennt – und deren Wahrheitsgehalt dann auch noch einigermaßen glaubhaft untermauern kann. Also: Die deutsch-britische KMU-Lending-Plattform Iwoca (die im Februar mit einer sehr respektablen Funding-Runde auf sich aufmerksam machte) hat im vergangenen Jahr hierzulande gut 3700 Kredite vermittelt, wie Deutschland-Chef Oliver Schmid im Gespräch mit Finanz-Szene.de verriet. Zur Einordnung: Das wären dann fast drei mal so viele wie bei Funding Circle Deutschland (siehe hierzu diese Präsentation, PDF, Seite 48). Gleichwohl: Die Losgrößen sind bei Funding Circle deutlich höher, sodass beim Volumen die alten Machtverhältnisse noch bestehen dürften. Konkrete Angaben zum Volumen nannte Schmidt denn auch keine, genausowenig wie konkrete Zahlen zu 2019.

Kurzmeldungen: In einer BCG-Analyse zum deutschen Retailbanken-Markt findet sich eine interessante Zahl: Die Erträge, die jährlich neu verteilt werden (Fachbegriff: Switching Pool), summieren sich demnach auf 10 Mrd. Euro (HB/Paywall) +++ Da wir keine Lust mehr haben nachzurecherchieren, welche Naga-Zahlen nun geprüft sind und welche ungeprüft, sourcen wir das Thema komplett an die Kollegin von „Gründerszene“ aus. Die sagt: 4,8 Mio. Euro Minus in 2018. Vielleicht ja sogar mit WP-Vermerk. (Gründerszene) +++ Ex-Funding-Circle-Deutschland-Chef Torsten Seeger hat einen neuen Job – und zwar als Deutschland-Chef eines anderen KMU-Kreditportals. Es heißt „October“, stammt aus Frankreich und launcht nun auch in Deutschland (Linkedin)

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