04/10/19: Hamburg Commercial Bank, Glory, Libra/Paypal, Savedroid

4. Oktober 2019

Bei der früheren HSH Nordbank müssen wohl noch mehr Leute gehen als ohnehin schon. Vielleicht erinnern Sie sich, wie wir neulich mal versucht haben zu entschlüsseln, welche Strategien US- Finanzinvestoren bei deutschen Geldinstituten verfolgen („Radikalo-Banking: Was Apollo mit der OLB vorhat“). Die Diagnose lautete: Die Angelsachsen drehen an vielen Schrauben, an einer aber mit dem ganz, ganz dicken Elektroschrauber (also mit dem, der nur mit Stecker richtig brummt, nicht mit Akku) – nämlich an den Kosten. Unsere Leser bei der Südwestbank werden wissen, was wir meinen. Und die bei der „Hamburg Commercial Bank“ (also die bei der Ex-HSH) sowieso. Von 1700 auf 950 sollte dort die Zahl der Vollbeschäftigen bis 2022 sinken. Doch nun hat Vorstandschef Stefan Ermisch im Frankfurter Wirtschafts-Journalisten-Club angedeutet, dass da womöglich noch mehr gehen muss. Wegen der Konjunktur. Begründung oder Vorwand? Welt/Reuters

Noch ein Fintech-Deal: Der japanische Payment-Konzern Glory hat 53% am Berliner Cash-Fintech „Barzahlen“ (also die mit dem Geldabheben im Supermarkt) erworben. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ sagte Barzahlen-Gründer Seifert, dass er zu den drei wichtigsten Fragen (Investmenthöhe, Bewertung, Geschäftszahlen) nichts sage, auch uns gegenüber war er nicht auskunftsfreudiger. Unsere eigene Deutung: Das Ganze ist kein glorreicher Exit, aber auch kein Notverkauf. Die Alteigner, die jetzt raus sind (wie z.B. Rewe) dürften einen kleinen Schnitt gemacht haben. Und die Glory Group (die auch hierzulande tätig und auf die Automatisierung von Bargeldprozessen spezialisiert ist) hat vermutlich im Vertrieb mehr Power als das ein Fintech wie Barzahlen das hat.

Kurzmeldungen: Bei Facebooks Libra-Projekt droht nun auch Paypal abzuspringen (FT, Paywall) +++ Um die Kapitalanforderungen von Basel III bis 2027 endgültig zu erfüllen, brauchen deutsche Banken gemäß der neuesten Bundesbank-Hochrechnung weitere 14 Mrd. Euro Eigenkapital (Bundesbank) +++ Laut eines gestern verkündeten EuGH-Urteils wird die Rückabwicklung von in Polen vergebenen Franken-Kredite teurer und aufwändiger, als die Banken gehofft hatten. Schlecht für die Commerzbank. Denn die will ja ihre Polen-Tochter mBank verkaufen. Und auch die hatte solche Kredite in größerem Stil ausgereicht (FAZ) +++ Die „Financial Times“ sieht die Vorwürfe von Wirecard, „FT“-Reporter hätten mit Spekulanten gemeinsame Sache gemacht, als widerlegt an. (Reuters) +++ Dem einstigen Frankfurter Hype-Fintech Savedroid (siehe u.a. der vierte und letzte Teil unserer Savedroid-Saga) ist echt keine Volte zu blöd. Das jüngste Manöver: ein Reverse-IPO. (FAZ)

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