07/08/2019: Klarna, Nets, Finanzguru, Allianz

7. August 2019

Wie digital ist der deutsche Finanzkunde? Sehr digital, glaubt man einer dpa-Meldung, die gestern über die Ticker lief. Demnach nutzen schon 51% der Deutschen Online-Banking, unter den 25- bis 44-Jährigen seien es sogar 78%. Wir haben uns dann mal die Primärquelle angeschaut. Die war erstaunlicherweise zwar schon neun Monate alt, mutete dafür aber verlässlich an [eine Umfrage des Statistischen Bundesamts unter 41.000 (!) Befragten]. Was uns dabei auffiel, war die überschaubare Quote von Menschen, die Online-Finanzgeschäfte über das Banking hinaus machen: Versicherungen? Haben nur 11% der Internetnutzer (genau: der Internetnutzer, nicht der Bevölkerung) in den vorangegangenen zwölf Monaten online abgeschlossen. Wertpapiertransaktionen aller Art? Nur 7%. Kredite? 3%. Soooo digital ist der deutsche Finanzkunden dann vielleicht doch noch nicht. Was die These stützt, dass  Filialen dichtzumachen vielleicht auch nicht der Königsweg ist. Destatis (PDF, Seite 33f)

Gibt’s eigentlich noch Tage ohne irgendeinen fetten Deal in der europäischen (und zumindest indirekt auch deutschen) Payment-Branche? Nachdem der Heidelberger Payment Service Provider Heidelpay Anfang dieser Woche zur unwirklich anmutenden Bewertung von angeblich fast 930 Mio. Euro an den amerikanischen Finanzinvestor KKR verkauft wurde, kamen gestern die beiden nächsten dicken Meldungen: Mastercard erwirbt für knapp 3 Mrd. Euro einen Teil des dänischen Zahlungsdienstleisters Nets; und das schwedische Payment-Startup Klarna erhält von Venture-Capital-Investoren weitere 410 Mio. Euro und wird damit nun – als mutmaßlich wertvollstes europäisches Fintech überhaupt- mit 4,9 Mrd. Euro veranschlagt …

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Nun mag der geneigte deutsche Leser fragen, ob ihn das überhaupt zu interessieren hat … Antwort: durchaus. Die enormen Wertzuwächse von Klarna gründen ja nicht zuletzt auf der zwischenzeitlichen Übernahme zweier deutscher Startups, nämlich Sofort (siehe unsere Archiv-Artikel: „Dieses Fintech macht fast 60% Ebit-Marge“) und Billpay. Und zu Nets gehören der ehedem bankeneigene Eschborner Zahlungsdienstleister Concardis sowie ein weiteres sehr erfolgreiches hiesiges Payment-Fintech, nämlich der „Kauf auf Rechnung“-Spezialist Ratepay. Was wird aus all denen jetzt eigentlich nach den beiden gestrigen Groß-Deals? Ein „Kurz gebloggt“ durch die schwarz-rot-goldene Payment-Brille: Finanz-Szene.de

Exklusiv: Die fast schon skurrile „Jeden Tag ein neues Funding“-Serie in der deutschen Fintech-Branche setzt sich fort. Dass Penta – also der mittlerweile zu Finleap zählende Berliner KMU-Konto-App-Anbieter – gestern 8 Mio. Euro unter anderem von Holtzbrinck eingesammelt lief, werden Sie vermutlich mitbekommen haben (lief u.a. über Bloomberg …).  Daneben haben wir aber auch noch ein kleines Exklusiverl für Sie. Das „Wir waren bei ‚Die Höhle der Löwen‘ und sind seitdem berühmt“-Fintech Finanzguru hat nach unseren Informationen nämlich ebenfalls seine Funding-Runde abgeschlossen. Hier die Details: Finanz-Szene.de

Wow, das ist mal eine Kombi, die wir tatsächlich noch nicht hatten – ein deutscher Versicherer, der zusammen mit einem amerikanischen IT-Konzern eine Payment-App auf den Markt bringt, die sich mit einem deutschen Girokonto verknüpfen lässt. Oder anders ausgedrückt: Die Allianz hat gestern gemeinsam mit Apple die Bezahl-App „Allianz Pay&Protect“ auf den Markt gebracht. Wenn wir’s richtig verstehen, handelt es sich um eine normale Apple-Pay-Anwendung, halt nur ergänzt um einen Versicherungs-Schutz. Wer das braucht und wofür? Keine Ahnung. Wir hier blicken schon lange nicht mehr durch. Mitteilung

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