08/02/19: Alles zur ING Diba, Schwache HVB-Zahlen, Paukenschlag bei Giromatch

8. Februar 2019

Wären wir böse, würden wir jetzt vermelden, dass es bei der Unicredit (Vorsteuergewinn: 3,9 Mrd. Euro) überall verblüffend rund läuft – außer in Deutschland. Denn pickt man sich aus den gestern veröffentlichten Tabellen zum 2018er-Ergebnis mal nur die Seite 13 heraus, wo es um das „Commercial Banking – Germany“ geht (sprich: um das Privat- und Firmenkundengeschäft der Hypo-Vereinsbank), dann sieht man, dass z.B. der Zinsüberschuss um erschreckende 8% auf 1514 Mio. Euro zurückgegangen ist. Die Folge: In der Zeile „Gewinn vor Steuern“ sind jetzt nur noch 369 Mio. Euro vermerkt, nach 631 Mio. Euro im Vorjahr, ein Minus von 42% (!). Nun heißt es, der Einbruch hänge auch damit zusammen, dass es 2017 ein paar hübsche Einmaleffekte gegeben hätte, die das 2018er-Resultat schlechter aussehen lassen als es womöglich ist. Indes: Wenn man sich mal die Rendite (definiert als RoAC) anguckt, dann fällt die deutsche CB-Sparte (8,1%) nicht nur ggü. der österreichischen (16,0%), sondern sogar ggü. der italienischen (12,1%) deutlich ab. Heißt das nun, dass die Deutschen besonders schlecht oder dass die Italiener besonders gut gewirtschaftet haben? Das sollen München und Mailand mal schön unter sich ausmachen. Unicredit-Homepage (Ergebnisse als PDF) , Unicredit-Homepage (Tabellen zu den Divisionen, PDF)

Das wieder mal starke Ergebnis der ING Diba hatten wir ja gestern unter Verweis auf die Deutschland-Zahlen der niederländischen Mutter quasi schon vorweggenommen. Weil wir aber den Accounting-Tüftlern unter Ihnen eine kleine Freude machen wollten, liefern wir heute den kompletten Dreizack …

  • Vorsteuergewinn Deutschland-Geschäft ING Groep: 1396 Mio. Euro
  • Vorsteuergewinn (alte) ING Diba: 1280 Mio. Euro.
  • Vorsteuergewinn (neue) ING Deutschland: 1322 Mio. Euro

Was es sonst noch zur Bilanz-PK der ING Diba (bzw. ING Deutschland) zu sagen gibt? Eine ganze Menge. Weil wir aber gestern keine Zeit gefunden haben, das alles mal aufzudröseln, belassen wir es heute bei drei kurzen Hinweisen: 1.) Die ING Diba drängt ins beratende (!) Anlagegeschäft, so deuten wir jedenfalls die Ankündigung von CEO Nick Jue, einen „digitalen Finanzberater“ einzuführen. 2.) Gab es nicht mal vor zwei, drei Jahren eine Phase, in der die Diba ihr Baufi-Neugeschäft gedrosselt hat, weil man ein bisschen Angst vor den Risiken bekam? Lang ist’s her. 2018 ist in der Baufi der Bestand (der Bestand!) um hübsche 5% gewachsen, in der Konsumenten-Finanzierung (auf niedrigerem Niveau) sogar um 10%, vom Wholesale-Kreditgeschäft mit Großunternehmen ganz zu schweigen. 3.) Wenn man dann noch bedenkt, dass künftig ein weiterer Fokus auf digitaler SME-Finanzierung liegen soll, ist es zur Vollbank nicht mehr weit.

Ganz interessant zu verfolgen, was die deutschen Fintechs so mit ihren fetten Fundings aus den zurückliegenden Monaten machen: Die einen internationalisieren, die anderen stecken’s ins Marketing, manche investieren in ihre Technologie (oder behaupten es zumindest), bei wiederum anderen hat man den Eindruck, sie baden erst mal drin (was, ehrlich gesagt, auch unser Approach wäre) … – und Clark? Na, das Frankfurter Insurtech Clark investiert, was in unsicheren Zeiten ja nie verkehrt sein kann, in die gute, alte Welt.  Heißt: Nach der Übernahme des Versicherungsmaklers Malburg GmbH übernehmen die Frankfurter jetzt auch noch das Versicherungsmakler-Geschäft der Schneider-Golling-Gruppe. Willkommen bei Fintech1.0. Pressemitteilung (PDF)

Kurzmeldungen: Als sozusagen erste Sparkasse will die Fraspa-Tochter „1822direkt“ im Frühjahr Apple Pay anbieten (IT-Finanzmagazin)

Korrektur, 8. Februar, 10.40 Uhr: Es handelt sich um Google Pay, nicht um Apple Pay (womit die „News“ auch keine „News“ mehr ist, weil es Google Pay in der S-Finanzgruppe an der ein oder anderen Ecke ja schon gibt… Sorry!)

+++ Überraschender Chefwechsel beim Frankfurter Fintech Giromatch: Dort macht Gründer und CEO Robin Buschmann Platz für den früheren Investmentbanker Klaus Zimmermann, berichtet das Handelsblatt (Paywall) +++ Die Hamburger Geldanlage-Vergleichsplattform Capinside hat bei einer Finanzierungsrunde 3,3 Mio. Euro eingesammelt (Fondsprofessionell)

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing