08/10/19: Commerzbank, HSBC, Munich Re/Next, CollectAI

8. Oktober 2019

Zur Commerzbank: Der hat die Ratingagentur Fitch gestern einen negativen Ausblick (auf ihr ohnehin mäßiges BBB+) verpasst, worin Sie, liebe Leser*innen jetzt aber bitte keinen Beleg dafür sehen, dass wir Ihnen weiter oben Quatsch erzählt haben. Sondern: Es ist zwar richtig, dass die Bonitätswächter den geplanten Umbau der Gelbbank kritisch sehen. Begründen tun sie das allerdings weniger mit der vermeintlichen Perlenhaftigkeit der Comdirect als mit zwei anderen Faktoren: 1.) Der Verkauf der mBank könnte nach dem EuGH-Franken-Kredit-Urteil (siehe unsere Freitags-News …) schwieriger werden als erhofft. Und 2.) Die Coba-Führung habe, was die Exekution von Umbaumaßnahmen angeht, nun mal nicht den allerbesten Track-Record. ReutersHB (Paywall)

Dürfen wir angesichts der Relevanz der nun folgenden Meldung mal ausnahmsweise über den deutschen Tellerrand hinausschauen? Weil: Laut einem Bericht der „Financial Times“ will HSBC weitere bis zu 10.000 Jobs abbauen – womit sich die Zahl der in diesem Jahr verkündeten Stellenstreichungen in der Bankenbranche nach Bloomberg-Berechnungen auf rund 70.000 (!) summiert. Nun sind wir hier bei Finanz-Szene.de zwar weißgott keine HSBC-Experten. Aber das Big picture wird jenseits des Kanals kein so viel anderes sein als hierzulande auch: In Zeiten der Digitalisierung kommen Banken schlicht mit weniger Bankern aus – und das Zinstief und die Konjunktur tun ein Übriges. Und, ach ja: Dass HSBC ein britisches Institut und Großbritannien aktuell ein politisches Wrack ist (und viele Geschäfte in Hongkong auch nicht helfen), das kommt natürlich noch obendrauf. FT (Paywall)ReutersHB (Paywall)

Unsere Lieblingsthese, dass Deutschlands große Versicherer bei ihren Fintech-Investments klotzen, während Deutschlands große Banken allenfalls kleckern, bekommt neue Nahrung – denn: Die Munich Re hat gestern verlautbart, fast surreal anmutende 250 Mio. Dollar ins US-Insurtech Next zu investieren. Aus dem Bauch heraus und völlig ungeprüft würden wir uns fast erdreisten zu behaupten: Das ist mehr Geld, als die Deutsche Bank und die Commerzbank (zumindest jeweils für sich genommen) bislang aggregiert in Fintech-Startups gesteckt haben. Wirtschaftswoche

Kurzmeldungen: Sind die totgeglaubten Pläne für eine Superlandesbank lebendiger denn je? BÖZ-Kollege Wittkowski macht heute Früh zumindest ein paar interessante Andeutungen in diese Richtung (Börsen-Zeitung) +++ Die EZB bescheinigt Europas Banken eine alles in allem zufriedenstellende Liquiditäts-Ausstattung (Deutschlandfunk) +++ Auf deutschen Girokonten liegen einer Studie zufolge fast 900 Mrd. Euro (Spiegel) +++ Der frühere Deutsche-Bank-Chef Ackermann verweigert im Postbank-Kleinaktionäre-Prozess vor dem OLG Köln die Aussage (Süddeutsche) +++ Laut „Spiegel“ (S. 53) soll die Postbank nun doch in die neue Bonner Zentrale umziehen. Wobei die Deutsche Bank sagt, das „nun doch“ sei Quatsch, weil der Umzug gar nie infrage gestanden hätte (Twitter-Streit) +++ Die Aareal prüft nach der Schelte durch den Hedge-Fonds Teleios zwar „alle Optionen“, lässt zugleich aber durchblicken, an der Software-Tochter Aareon festhalten zu wollen (Reuters) +++ Die frühere Chefredakteurin von „Business Insider Deutschland“ wird „Head of Brand & Story“ (das heißt wirklich so) beim Hamburger Fintech CollectAI (Kress)

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