15/11/19: Wirecard, BayernLB, DWS, Creditshelf, Cashpresso, mBank

15. November 2019

Sind die 900 Mio. Euro, die der japanische Technologiekonzern Softbank bei Wirecard investiert haben soll, gar nicht von Softbank selbst gekommen? So zumindest stellt es das „Wall Street Journal“ in einem diese Nacht online gestellten Artikel dar. Den Schilderungen zufolge stammt das Geld von mehreren Softbank-Managern sowie von einem externen Investor, bei dem es sich um den Abu-Dhabi-Staatsfonds Mubadala handeln soll. Der „Softbank Vision Fund“ habe nicht selber in Wirecard investiert, weil Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen nicht zu seiner Kernstrategie zählten, zitiert das „Journal“ einen Sprecher des japanischen Konzerns. Die Frage, warum denn die Softbank-Gruppe als solche nicht investiert habe, sei unbeantwortet geblieben. Wirecard wird in dem Artikel zitiert, man habe gegenüber den eigenen Investoren alle nötigen Angaben zu dem Deal gemacht. WSJ (Paywall)

Der Zustand der BayernLB lässt sich an einem einzigen Chart ablesen – und zwar am Chart auf Seite 9 der gestern vorgestellten Q3-Präsentation. Zu sehen sind dort: ein fetter blauer Balken, der den Ergebnisbeitrag der Tochter DKB beschreibt (241 Mio. Euro); und ein wenigstens noch halbwegs fetter blauer Balken, der fürs Immo- und Verbundgeschäft steht (151 Mio. Euro). Aber sonst? Sind da keine Balken mehr. Sondern allenfalls noch Bälkchen. Einer fürs Firmenkunden-Geschäft (schlappe 64 Mio. Euro). Und einer für „Capital Markets“ (noch viel schlappere 10 Mio. Euro). Nun mag man sagen: Okay, addiert ergibt das trotzdem noch 466 Mio. Euro (bzw. 433 Mio. Euro, wenn man das negative Ergebnis des Zentralbereichs berücksichtigt) – das ist jetzt kein sooo schlechtes Quartalsergebnis! Doof nur: Die 433 Mio. Euro sind eben nicht der Q3-Gewinn. Sie sind der 9M-Gewinn …

Was also tun? Mit dieser Frage beschäftigen sich seit geraumer Zeit unsere Freunde von McKinsey (ähhhh, liebe BayernLB, mal ganz nebenbei gefragt: Sollte nicht eigentlich Bain Eure neue Strategie entwerfen? Mmmhhh …). Wenn McKinsey nun dürfte, wie McKinsey wollte, mit was für einer Empfehlung käme McKinsey dann wohl demnächst um die Ecke? Alles auf die DKB? Und den Rest dem armen Herrn Schleweis für seine „Super-Sparkassen-Landes-Zentralbank“ vor die Füße schmeißen? Naaaa, so funktioniert die Welt da draußen natürlich nicht. Stattdessen hat CFO Wiegelmann gestern gegenüber der „BÖZ“ schon durchblicken lassen, was für eine Empfehlung er sich von McKinsey erhofft: DKB und Immogeschäft stärken. Und beim Rest? Wird halt irgendwie gespart. Q3-Präsentation (PDF), Q3-Mitteilung (PDF), Börsen-Zeitung (Paywall)

Potztausend! Da klettert doch der DWS-Kurs gestern tatsächlich um 5,3% und springt erstmals seit Monaten wieder über die 30-Euro-Marke. Und das alles, weil … – ähhh, ja, warum eigentlich? Weil die UBS jetzt zum „Kauf“ der Aktie rät? Alles so einfach? Da nutzen wir doch gleich die Gelegenheit, die hier mitlesenden DWS-Mitarbeiter zu bitten, heute früh mal kurz bei den Kollegen von „Investor Relations“ zu klopfen und nachzuschauen, ob da überhaupt noch jemand sitzt. Weil: Als wir gestern nach belastbaren Gründen für den Kursanstieg suchten, stellten wir fest, dass die aktuellste IR-Präsentation geschlagene eindreiviertel Jahre alt ist. Vielleicht ist das ja auch schon das ganze Geheimnis: Man lässt die Investoren in Ruhe. Und schon klappt’s mit der Aktie.

Kurzmeldungen

Apple fühlt sich von der deutschen Politik (siehe unser ausführlicher Bericht über das „Apple Pay“-Gesetz gestern) unfair behandelt. „Wir sind überrascht, wie plötzlich dieses Gesetzgebungs-Verfahren eingeleitet wurde“, heißt es in einer Mail, die uns gestern Früh erreichte. +++ Die Deutsche Bank hat die Genehmigung erhalten, ihr sogenanntes „Prime Brokerage“ an die BNP Paribas zu übertragen. Im Zuge dessen sollen auch rund 1000 Mitarbeiter die Seiten wechseln. (Mitteilung, BÖZ, Paywall) +++ Die Volkswagen Bank beteiligt sich mit 20% am Wiener Ratenkredit-Fintech Credi2, das hierzulande unter seine Marke „Cashpresso“ bekannt ist (Mitteilung) +++ Der Frankfurter KMU-Kreditvermittler Creditshelf will einen 150 Mio. Euro schweren Kreditfonds auflegen; die ersten 30 Mio. Euro kommen vom Europäischen Investitionsfonds (Mitteilung) +++ Der polnische Versicherer PZU zeigt Interesse an einer Übernahme der zum Verkauf stehenden Warschauer Commerzbank-Tochter mBank (investing.com)

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