16/10/19: Wirecard, ING / Apple Pay, Merck Finck, Masterpass

16. Oktober 2019

Monatelang hatte man von der „Financial Times“ nichts mehr gehört in Sachen Wirecard. Als die britische Wirtschaftszeitung dann aber Anfang Oktober mitteilte, eine juristische Untersuchung habe ergeben, dass die eigenen Reporter (anders als von Wirecard behauptet) keine gemeinsame Sache mit Spekulanten gemacht haben – da hätte man fast darauf wetten können, dass die Serie inkriminierender Artikel demnächst fortgesetzt würde (wobei man das mit dem „Wetten“ natürlich nicht laut sagen darf, auch wenn die Quote der leerverkauften Aktien zuletzt nur noch bei 8,7% lag).

Jedenfalls: Gestern Früh also der nächste Paukenschlag. Wieder nimmt die „FT“ den deutschen Zahlungsdienstleister ins Visier. Und wieder geht es um Wirecards hochprofitable Dubai-Tochter bzw. um einen ihrer Geschäftspartner, nämlich einen „Third Party Acquirer“ namens „Al Alam“ (vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um einen Player, der im Auftrag Wirecards Zahlungen abwickelt). Was dem Dax-Konzern in dem Artikel konkret vorgeworfen wird, haben wir hier detailliert für Sie zusammengefasst. Ein Auszug: Die „FT“ behauptet, 2016 sei mehr als die Hälfte des gesamten Wirecard-Ebitdas über „Al Alam“ hereingekommen. Gleichzeitig hätten auf Anfrage der „FT“ von 34 angeblichen großen „Al Alam“-Kunden aber nur vier bestätigt, dass sie mit „Al Alam“ überhaupt Geschäfte machen. Um ihre Vorwürfe zu untermauern, stellte die „Financial Times“ dem eigentlichen Artikel eine zip-Datei mit angeblichen Original-Dokumenten und ein umfängliches FAQ zur Seite.

Und was sagt Wirecard zu alldem? Der Dax-Konzern weist die Vorwürfe vollumfänglich zurück. Und erneuert seinerseits den Vorwurf, die „Financial Times“-Reporter würden mit Short-Sellern kolludieren. Die Aktionäre zeigten sich gestern hin- und hergerissen. Erst stürzten die Wirecard-Papiere um 23% ab, erholten sich dann aber und notierten zum regulären Handelsschluss bei minus 13%. Interessant, vielleicht ja auch für Wirecards Kreditbanken (darunter Coba, LBBW und deutsche ING): Für die kürzlich emittierte Wirecard-Anleihe ging es sogar von 99% auf nur mehr 84% des Nennwerts abwärts.

Noch irgendwas außer Wirecard? Ja, klar: Deutsche Bank/China. Hier bitten wir allerdings um Nachsicht, dass wir die Dinge aus Kapazitätsgründen nicht detailliert für Sie aufgearbeitet haben, sondern einfach ohne weiteren Schnickschnack auf die Original-Quellen (hier alle Berichte in der „Süddeutschen“, hier das große „New York Times“-Stück) verweisen. Wobei, einen Punkt würden wir dennoch gern aufgreifen. Denn: Offen ist ja die Frage, ob die ganze unappetitliche Chose auch auf die „Deutsche Bank anno 2019“ irgendwelche  Auswirkungen hat. Was das betrifft, rückt nun ein Manager namens Till S. in den Fokus, der einst in fragwürdige Geschäftspraktiken in China verwickelt gewesen sein soll – aber noch bis Juni diesen Jahres einen hochrangigen Compliance-Posten (eins unter Frau Matherat) bei der Deutschen Bank bekleidet hat. Süddeutsche Zeitung (über Herrn S.)

Exklusiv: Vize-Chef Michael Krume verlässt Merck Finck. Dass es bei der Münchener Privatbank alles andere als rund läuft (operativer Verlust 2018: 10 Mio. Euro, Asset-Ziele meilenweit verfehlt), hatten wir Ihnen ja schon Ende August ausführlich erzählt. Nun die nächste News: Nach Finanz-Szene.de-Informationen hat Vize-Chef Michael Krume (seit 2004 in der Bank) intern seinen Abschied angekündigt. Der 60-Jährige gehe in Ruhestand, erklärte ein Merck-Finck-Sprecher auf Anfrage. Nachfolger? Gibt’s keinen. Der Posten wird eingespart. Wodurch sich der Vorstand von drei auf nur noch zwei Köpfe verkleinert, namentlich Vorstandschef Matthias Schellenberg und Olivier Kuetgens.

Kurzmeldungen: Mastercard hat seine deutsche Bezahlplattform „Masterpass“ geschlossen (Caschys Blog) +++ Die deutsche ING bietet ihren Kunden nun endlich Apple Pay an (Mitteilung)

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