19/07/18: Clark neu verliebt, Finanzcheck-Nachlese, DSGV und BVR warnen, Coba kann China

19. Juli 2018

Was ist eigentlich aus der großen „Scout24/Finanzcheck“-Analyse geworden, die wir für heute eigentlich geplant hatten? Gar nichts, um ehrlich zu sein (siehe auch die „Anmerkung“ weiter unten im Newsletter). Je nach Kapazitäten versuchen wir das in den nächsten Tagen aber nachzuholen, wobei die VCs unter Ihnen ja schon ahnen werden, was die Leitfrage einer solchen Analyse sein müsste: Wenn stimmt, was in der Ad-hoc steht, nämlich dass Finanzcheck zuletzt 35 Mio. Euro Umsatz gemacht hat und Scout24 nun 285 Mio. Euro für Finanzcheck bezahlt, dann lag die Kaufsumme beim gut Achtfachen des Umsatzes (nicht des Ebits!) … Spinnen die, die Scout-Leute? Um es vorwegzunehmen: Nee, die spinnen vermutlich nicht. Mehr dazu hoffentlich nächste Woche oder vielleicht ja auch schon morgen.

Um heute Früh in Sachen „Scout24/Finanzcheck“ trotzdem nicht völlig blank vor Ihnen zu stehen (denn das ist ja – so sehen wir das jedenfalls – nicht nur aus Fintech-, sondern auch aus Bankensicht das Thema der Woche …), haben wir immerhin Trick 17 angewandt – oder anders ausgedrückt: Wir sind mal kurz ins Handelsregister hinabgestiegen, um zu schauen, wer denn nun die Profiteure dieses Rekord-Deals sind (falls der letzte einsehbare Auszug von April 2016 denn der wirklich maßgebliche ist, wovon wir ausgehen). Nun ist es vermutlich nicht unsere vornehmste Aufgabe, Spekulationen über die Vermögensverhältnisse einzelner Personen anstellen, aber dass der Gründer in der Sache nicht gaaaanz schlecht wegkommt, versteht sich ja fast von selbst …

Davon abgesehen dürften gestern … auch beim Hamburger Company Builder „Truventuro“ die Rotkäppchen-Korken geknallt haben, ebenso wie natürlich bei einigen VCs wie diesem hier („Highland Europe“) oder diesem hier („btov Partners“). Und dann liegen bzw. lagen verblüffend viele Anteile bei einem Verlagshaus, zu dem wir selber mal familiär bedingt in indirekter Beziehung standen, nämlich beim NWZ-Verlag in Oldenburg. Drum ein dringender Aufruf an die Kolleginnen und Kollegen der Nordwest-Zeitung: Lasst Euch bei den nächsten Tarifverhandlungen keinen Schmarrn von wegen Zeitungskrise und so erzählen. Euer Verlag müsste seit dieser Woche so steinreich sein, dass er gar nicht mehr weiß, wohin mit seinem Geld.

Zurück zu den Nachrichten: Wenn nicht alles täuscht, dann sind die Zeiten, in denen die Sparkasse und Genobanken trotz Branchenkrise immer noch irgendwelche Rekordergebnisse aus dem Ärmel zauberten, vorbei. So zitiert die „Börsen-Zeitung“ den DSGV heute Morgen mit den Worten, die Ertragslage sei zwar „noch immer besser als ursprünglich einmal befürchtet, aber tatsächlich doch schlechter als im Vorjahr“. Das korrespondiert mit Aussagen von BVR-Vorstand Andreas Martin, der gestern meinte, dass das diesjährige Geno-Ergebnis vermutlich „leicht unter dem Wert“ des letztjährigen bleiben werde (Anlass der Aussage war übrigens die Präsentation des konsolidierten 2017er-Geschäftsberichts der genossenschaftlichen Bankengruppe). Ohne jetzt zu tief in die Analyse einsteigen zu wollen, dürfte der wesentliche Grund für die Warnungen auf der Hand liegen: Das Zinsergebnis sinkt weiter – während das Steigerungspotenzial bei den Provisionen begrenzt bleibt, weil man den Kunden ja nicht unendlich viele weitere Erhöhungen der Kontoführungs-Gebühren zumuten kann. Börsen-Zeitung (Paywall), Redemanuskript Andreas Martin (PDF)

Und da wir natürlich nicht nur voraus-, sondern auch zurückblicken: Hier die konsolidierten 2017er-Zahlen der Geno-Gruppe (also jene Zahlen, bei denen von der DZ Bank über die R+V Versicherung bis hin zur kleinsten Volksbank wirklich alles drin ist). Das Wichtigste steht gleich auf Seite 3. Doch achten Sie bitte nicht nur auf den extremst knackigen Vorsteuergewinn (8,9 Mrd. Euro), sondern auch auf die fulminante Steigerung des Provisionsergebnisses (ein Plus von 8,9%). Doch genau das ist eben, siehe oben, der Effekt, der sich nicht beliebig wird fortschreiben lassen. BVR-Präsentation (PDF)

Ist die Frankfurter Sparkasse nun der große Vorreiter im öffentlich-rechtlichen Bankensektor – oder ist sie wieder einmal nur der große Ausscherer? Jedenfalls: Die Online-Tochter 1822 kungelt jetzt mit dem ebenfalls in Frankfurt ansässigen Online-Versicherungsmakler Clark herum (der bekanntermaßen zum Berliner Company Builder Finleap gehört). Ob man bei den sparkassen-eigenen Versicherern so begeistert davon ist, darf bezweifelt werden. Und aus Sicht von Clark? Ist die Liaison mit der 1822 nach dem plötzlichen Liebes-Aus mit der ING Diba (die ja stattdessen jetzt mit der Axa tindert) zumindest schon mal gut fürs Ego. Ob mehr daraus wird (sprich: ob weitere Sparkassen hinzukommen), wird man sehen. 1822-Website (wo Sie auf einen Blick sehen können, wie die Integration von Clark umgesetzt wurde)

Für alle, die in der Commerzbank lediglich die größte deutsche Sparkasse sehen: Nope, sie kann sogar China, was die gestern verkündete Kooperation mit der ICBC hoffentlich ausreichend dokumentiert. Wirtschaftswoche

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