29/10/19: Paul Achleitner, KBL Gruppe, IDNow, Wirecard, Merck Finck

29. Oktober 2019

Die größere News wäre vermutlich gewesen, wenn „Reuters“ vermeldet hätte,  Paul Achleitner sitze fest im Sattel. Stattdessen schreiben die Kollegen, der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank „wackele“ und konkretisieren die Feststellung wie folgt: „Mehreren Insidern zufolge formieren sich wichtige Anteilseigner (…) zu einer Front, die (Achleitner) als Chefkontrolleur des größten deutschen Geldhauses infrage stellt.“ Als Rädelsführer werden die Katarer identifiziert, ein Großaktionär lässt sich passenderweise zitieren: „Spätestens bis zum kommenden Aktionärstreffen muss (Achleitner) einen Nachfolger präsentiert haben, sonst hat er ein Problem …“

Nun mag der kundige Deutsche-Bank-Exeget konstatieren, dass das alles so neu ja gar nicht sei – lesen tut man’s freilich trotzdem gern, zumal die Kollegen, einmal in Fahrt, auch noch munter zu spekulieren beginnen, wer für die Achleitner-Nachfolge infrage komme. Nämlich: der ewige Theodor Weimer. Nochmal O-Ton „Reuters“: „Mehrere Insider halten (den) Deutsche-Börse-Chef (…) für Achleitners (…) Geheimwaffe. Auch bei Katar würde Weimer gut ankommen, hieß es. ‚Er ist Banker, kennt Achleitner gut und sein Ego wäre groß genug, diesen Posten zu übernehmen.’“ Na denn! Reuters

Und wo wir unsererseits nun auch einmal in Fahrt sind: Passend zum Achleitner-Artikel bei „Reuters“ (in dem als Grund für die Unzufriedenheit der Investoren auch die Causa Zeltner angeführt wird …), vermeldet das Schweizer Nachrichtenportal „Finews“: „Der Aderlass von bekannten UBS-Kadern zur von Jürg Zeltner geführten Luxemburger Bankengruppe (KBL) gewinnt an Tempo.“ Und dann folgt eine lange Liste von Menschen, die wir zwar nicht kennen, die aber offenbar allesamt vom vielleicht wichtigsten europäischen Deutsche-Bank-Konkurrenten zur Bank des künftigen Ex-Deutsche-Bank-Aufsichsrats rübergemacht haben. Da kriegt man dann ein Gefühl dafür, warum die Aufseher die Personalie Zeltner vielleicht nicht ganz so locker gesehen haben wie der Herr Achleitner. Finews

Ob ein B2B-Fintech was kann, erkennt man nicht unbedingt daran, wie oft der Name bei „Google News“ oder in den einschlägigen Presse-Datenbanken auftaucht – sondern daran, ob man über den Namen öfters auch mal in freier Wildbahn stolpert. Beim Münchner Identifizierungs-Startup IDnow ist uns genau das Ende letzter Woche erst wieder passiert. Da kämpften wir uns bekanntlich durch den 2018er-Geschäftsbericht der Solarisbank – und siehe da, als einer der wichtigsten Solaris-Dienstleister (nämlich für die Identifizierung neuer Kunden) fand da wer eine lobende Erwähnung? IDnow!

Da trifft es sich gut, dass auch wir heute Früh eine lobende Erwähnung für das 2014 gegründete Münchner Unternehmen bereithalten. Denn: IDnow hat gestern eine Finanzierungsrunde in Höhe von 40 Mio. Dollar verkündet. Rechnet man die Summe in Euro um und zieht ein bisschen „Secondary“ ab (ein kleiner Teil des Geldes floss nach Finanz-Szene.de-Informationen nämlich an Altgesellschafter …), dann kommt man immer noch bei mehr als 30 Mio. Euro raus. Ein mehr als ordentliches Funding, zumal in einem Segment, in dem die Investoren bislang eher knausrig waren. Die Bewertung dürfte Register-Einträgen zufolge jetzt irgendwo zwischen 110 und 120 Mio. Euro liegen. Mal sehen, ob der Berliner Erzrivale WebID Solutions demnächst zu kontern weiß.

Kurzmeldungen

Bei Wirecard sind nach Angaben des US-Datenanbieters S3 Partners inzwischen 24 Mio. Stücke und damit ein Fünftel aller frei handelbaren Aktien leerverkauft – zum Vergleich: Im Februar, auf dem bisherigen Höhepunkt der Spekulationen um den Konzern, lag diese Zahl lediglich bei 18 Mio (Tweet) +++ Nachdem Finanz-Szene.de jüngst enthüllt hatte, dass Merck Finck seine „AuM“-Ziele zuletzt um rund 20% (!) verfehlt hat und operativ rote Zahlen schreibt, kündigt Vorstandschef Schellenberg nun in der „BÖZ“ an, die verwalteten Vermögen binnen fünf Jahren mehr als verdoppeln zu wollen. (Börsen-Zeitung) +++ Der frühere LBBW-Chef Siegfried Jaschinski legt seinen Posten als AR-Chef von Heideldruck nieder (DGAP) +++ Nach 4,3% im Vormonat betrug das Wachstum bei Firmenkunden-Krediten in der Eurozone im September nur noch 3,7% (Reuters) +++ Und ein Blick über den Kanal: HSBC hat gestern extrem schwache Zahlen für Q3 vorgelegt, kappt seine Ziele und droht in eine veritable Krise zu rutschen (ReutersARD).

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