Leserblog

Ist Visas Debitkarte wirklich so neu, wie Visa tut?

23. Mai 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Zu unseren liebsten (weil kundigsten) Lesern gehören Herr K., der bei einer großen deutschen Bank arbeitet, und Herr S., der bei einem bekannten deutschen Fintech arbeitet.

Nachdem wir (genauso wie einige andere deutsche Medien) vergangene Woche vermeldet hatten, dass Visa im nächsten Jahr erstmals mit einer Debitkarte auf den deutschen Markt kommt (und zwar mit einer Debitkarte, mit der man, anders als mit der Girocard, z.B. auch online shoppen kann), schrieb uns Herr K. eine Mail, in der es sinngemäß hieß:

„Die Visa-Karte, die ich als Kunden zum Beispiel der DKB oder der ING Deutschland erhalte, ist seit jeher eine Debitkarte. Und mit der kann ich auch im Internet bezahlen, und sie verfügt auch über einen NFC-Chip.“

Diese Darstellung forderte uns insofern heraus, als wir a) selber mal wieder gar keine Ahnung hatten und b) wir uns fragten: Wenn stimmt, was Herr K. schreibt, worin besteht dann überhaupt der Unterschied zur neuen Visa-Debitkarte? Und warum macht Visa überhaupt so einen Bohei um den Launch?

Um uns aufzuschlauen, wandten wir uns an Herrn S. – denn: Der hat einen ziemlich krassen Payment-Tick, sodass es eigentlich keine Payment-Frage gibt, zu der Herr S. nicht die Antwort wüsste. Also Herr S., was ist denn nun Sache in Sachen Visa/Debit?

Da Herr S. nicht nur ein Nerd zum Quadrat, sondern auch ein quellenfester Mensch ist, las er uns erst einmal die Produktbeschreibung von der ING-Website vor:

„Mit Ihrer VISA Card können Sie in allen Euro-Ländern kostenlos Bargeld abheben, im Internet shoppen und im Ausland bezahlen. Die Buchungen sehen Sie bereits nach 2 Tagen in Ihrem Internetbanking.“

Sodann führte Herr S. aus, dass der entscheidende Satz der letzte sei, also der mit den zwei Tagen. Denn, so Herr S.:

„Die VISA-Karten von ING Deutschland, Comdirect, DKB und anderen sind keine richtigen Debitkarten, wohl aber sozusagen halbe Debitkarten. De facto handelt es sich um Kreditkarten mit einem sehr kurzen Kreditrahmen. Die richtige Debitkarte haben VISA und Mastercard zB. schon seit Jahrzehnten in den USA. Das ist es wie unsere Girocard (oder halt Maestro und Vpay), sprich: Direkte Autorisierung gegen das Konto. Kein Kreditrahmen, keine Stand-In-Services, wenn das Issuer-System nicht erreichbar ist.“

Ganz Recht hat Herr K. also nicht. Aber immerhin halb.

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