Kurz gebloggt

Bafin untersucht Marktmanipulation nach neuem Modus

7. Mai 2019

Exakt 200 Seiten umfasst der gestrige Jahresbericht der Bafin 2018, den wir, serviceorientiert, wie wir nun mal sind, bei einer guten Tafel Zartbitter für Sie durchgangen sind.

Auf Seite 130, im Blaulicht-Bereich der Marktmissbrauchs angekommen, wurden unsere Griffe in die knisternde Alufolie dann doch ein wenig hektischer. Denn ist es nicht genau der Bereich, der spätestens seit dem Leerverkaufsverbot für den Bezahldienstleister Wirecard zwischen Mitte Februar und Mitte April – einer in Nicht-Finanzkrisenzeiten zuvor ungesehenen Aktion – besonders interessant ist? Und uns hier, immerhin ging es um Deutschlands im Dax notierten Vorzeige-Paymentwert, immer wieder umtrieb? 

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Jedenfalls: Entweder ist der deutsche Kapitalmarkt, den heftigen Turbulenzen um Wirecard zum Trotz, ein friedlicherer Ort geworden. Oder aber die Aufsicht legt das, was sie einen „risikoorientierten Ansatz“ nennt – Konzentration auf systematische und besonders krasse Verstöße – seit 2018 völlig anders aus.

Denn während die Zahl der Verdachtsfälle von Marktmissbrauch auch 2018 zum Vorjahr stieg, und zwar um +10% auf 3104 (der guten Ordnung halber: der Sprung ab 2015 ist vor allem der neu eingeführten „Market Abuse Regulation“ zuzuschreiben)…..

 

Quelle: Bafin Jahresbericht 2018

…. sank die Zahl der Marktmissbrauchsanalysen durch die Bafin gegen den Trend der Vorjahre um fulminante 56%.

Quelle: Bafin Jahresbericht 2018

Es sanken ferner: die Zahl der neuen Untersuchungen in Sachen Marktmanipulation: um 34%, die der Abgaben an die Staatsanwaltschaft oder das Bußgeldreferat: um 36%, die der Urteile im gerichtlichen Hauptverfahren: um 32%, die der Amtshilfeersuche der Bafin im Ausland: um 24%. Ist auch irgendwas gestiegen? Aber ja: die Zahl der Einstellungen von Marktmanipulationsuntersuchungen. Und zwar um 50% zum Vorjahr.

Insgesamt, gibt die Bafin an, wurden 400 Einzelhinweise „zugunsten prioritärer Sachverhalte“ zurückgestellt. Und: der Rückgang ergebe sich aus der geänderten Herangehensweise, nach der „seit 2018 signifikant weniger Analysen erstellt werden als zuvor.“ Dieser Rückgang werde jedoch dadurch aufgewogen, „dass der neue risikoorientierte Ansatz es möglich macht, sich verstärkt auf die Verfolgung bedeutender Sachverhalte von Marktmissbrauch zu konzentrieren“. Bafin Jahresbericht. 

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