Kommentar

Beginnt jetzt die Vermählung des deutschen Payment-Sektors mit der Inkasso-Branche?

22. Januar 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Es ist auf den ersten Blick ein völlig unbedeutender Deal, der da gestern vermeldet wurde: Die Heidelpay Group GmbH (deren Stammgesellschaft zuletzt auf Erträge in Höhe von rund 10,7 Mio. Euro kam) übernimmt den Frankfurter Inkasso-Spezialisten Universum Group (Rohergebnis der Universum Inkasso GmbH in 2017: rund 13,9 Mio. Euro; Jahresfehlbetrag: rund 240.000 Euro).

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Der Eindruck allerdings täuscht – denn der Deal spiegelt mindestens drei relevante Trends wider: 1.) Die in Teilen immer noch mittelständisch anmutende deutsche Payment-Branche (Heidelpay, Computop…) bekommt durch Konsolidierung allmählich neue Strukturen. 2.) Dabei geben Ausländer den Ton an, nicht nur bei Concardis (diverse PE-Fonds) und BS Payone (Ingenico), sondern auch bei der Heidelpay, die 2017 von einem britischen Finanzinvestor namens Anacap gekapert wurde. Und 3.) Payment und Inkasso verschmelzen.

Wie kommen wir darauf? Nun, als wir neulich über die Payment-Pläne der Creditreform berichteten, da schrieb uns ein sehr kundiger Leser eine lange Mail, in der er quasi vorwegnahm, was nun mit dem Heidelpay-Universum-Deal tatsächlich exerziert wird. Der Name des Lesers muss leider anonym bleiben, weil er eine Position bekleidet, in der es eher unüblich ist, Bloggern lange Mails zu schreiben. Den Inhalt indes dürfen wir mit freundlicher Genehmigung abdrucken.

[…]

Ich fand übrigens das Thema Crefo Pay ganz spannend. Vielleicht nochmal ein paar strategische Gedanken hierzu:

1.) Die Crefo ist eine Unternehmensgruppe, die u.a. Inkasso macht; das ist heute im Grundsatz noch ein einträgliches Geschäft, da Kunden

  • nicht gern wechseln
  • und es in Deutschland (steht auf dem Prüfstand) recht attraktive Inkassogebühren gibt

2.) Trotzdem sind Schwierigkeiten absehbar. Das Grundproblem ist, dass Inkasso in der Wertschöpfungskette ganz am Ende kommt. Vorher kommen Dinge wie

  • Kauf des Produkte (z.B. über einen PSP + Bezahlmethode im Onlinebereich)
  • Servicing des Kunden (Versand, Rückabwicklung, Betreuung bei Fragen etc.)
  • Rechnungsstellung und ggf. kaufmännisches Mahnwesen

3.) Die Probleme für Inkassofirmen sind im Grundsatz:

  • Wettbewerb innerhalb der Branche (denn Inkasso ist im Grunde austauschbar; es gibt Überkapazitäten, gerade angesichts der seit Jahren guten Konjunktur; also herrscht Druck im Vertrieb; entsprechend hart ist der Wettbewerb)
  • Innovation in der Wertschöpfungskette (die PSPs, die selbst unter Druck stehen, suchen sich die Inkassopartner heutzutage aus und fordern dafür Provision; einige Player wie Paypal oder Klarna machen das Geschäft gleich ganz selbst oder diktieren die Konditionen; Startups optimieren das kaufmännische Mahnwesen; damit werden viele Kunden gar nicht erst zu den Inkassounternehmen durchgeleitet, weil sie nämlich vorher bezahlen)
  • Investoren mit Ambitionen (es gibt diverse Inkassounternehmen mit echten Wachstumsambitionen. Bloß: Das gibt der Markt nicht her. Also werden Portfolien sehr teuer gekauft, um Bräute hübsch zu machen)
  • Die Politik guckt genauer hin (noch ist Deutschland ein Eldorado für Inkasso, weil immer noch üppige Gebühren erlaubt sind; aber das könnte sich ändern)

Fazit:

Inkasso ist einträglich, steht aber unter Druck. Die Creditrefom hat das wie viele andere erkannt und sagt, wir werden jetzt selber PSP und kontrollieren selbst die Transaktion.

Ob diese Strategie freilich gegen Gegner wie Stripe oder Adyen aufgehen kann – das steht auf einem anderen Blatt.

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