Aus der Szene

Deutsche Bank und Paypal: Sewing-Scherz trifft Edel-Kunden

19. September 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Eigentlich ist es ja ganz nett, wenn der mächtigste Banker der Republik es mal menscheln lässt (und auch mal einen Scherz macht). So geschehen dieser Tage bei einer Talkrunde in Düsseldorf, von der unter anderem die folgende Aussage Christian Sewings übermittelt wurde:

[…] Ansonsten kontrolliere er [Anm.: also Sewing] nicht die Konten [seiner] Kinder – nur prüfe er schon mal […], dass sie  [also die Kinder] nicht über den Online-Konkurrenten Paypal bezahlen – „dann würde es Beef in der Bude geben“.

Wie gesagt, ganz nett, vielleicht sogar witzig …

… bloß, ähhh: Ist dem Deutsche-Bank-Chef eigentlich bewusst, dass es sich bei dem „Online-Konkurrenten“ (also bei Paypal) in Wirklichkeit um einen der mutmaßlich wichtigsten Großkunden seines Hauses handelt?

Gestatten Sie uns, zu dokumentarischen Zwecken einmal kurz aufzulisten, was sich über die offenbar fruchtbare Liaison zwischen der Deutschen Bank und Paypal ohne große Recherche und weitgehend auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen relativ einfach recherchieren lässt:

1.) Das Loben des Cryan

Vor zwei Jahren bezeichnete Sewings Vorgänger, also John Cryan, den US-Konzern in einem Interview als „einen großartigen Partner von uns“.

2.) Der Vorzeige-Case

Auf ihrer eigenen Website beschreibt die Deutsche Bank sichtlich stolz, wie sie mit und für Paypal ein spezielles Tool namens „Accounts Receivables Manager“ entwickelt hat (hier für die Connaisseure der „Case“ zum Nachlesen). Die Fallstudie endet mit der Referenz einer hochrangigen Paypal-Managerin, die wie folgt zitiert wird:

“We connected with Deutsche Bank, a trusted partner we have been working with for many years, to develop the Accounts Receivable Manager. As a global organisation, it is important to us to have a single solution which works throughout Europe, while also providing the look and feel of a local solution to our users.”

3.) Die „Third Parties List“ von Paypal

Nach Informationen von Finanz-Szene.de hat Paypal jahrelang nicht weniger als den gesamten deutschen Lastschriftverkehr über die Deutsche Bank abgewickelt (mit anderen Worten: große Teile des Umsatzes, weil deutsche Kunden ja meist ihr Konto statt der Kreditkarte bei Paypal hinterlegen …). Nun sagen Kenner der Materie zwar, der US-Konzern habe seine Abhängigkeit von der Frankfurter Großbank reduziert und arbeite inzwischen auch mit anderen auf großvolumigen Zahlungsverkehr spezialisten Instituten zusammen.

Schlägt man allerdings in den AGB von Paypal nach, mit welchen Drittdienstleistern die Amerikaner in Europa zusammenarbeiten, dann finden sich zum Stichwort „Verarbeitung von Lastschriften in der SEPA-Region“ nur zwei Namen. Nämlich zum einen J.P. Morgan.

Und zum anderen: die Deutsche Bank.

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