Reportage

Deutschland-Start von Apple Pay führt zum Clash mit den Sparkassen

12. Dezember 2018

Von Heinz-Roger Dohms

Zum Start von Apple Pay in Deutschland haben die Sparkassen dem US-Konzern indirekt den Missbrauch seiner duopolartigen Position im Markt für Handy-Betriebssysteme vorgeworfen. In einer gestern Nachmittag versendeten Mitteilung des DSGV heißt es, Apple solle „den Industrie-Standard NFC an seinen Endgeräten zu angemessenen Konditionen nicht nur für die eigene Lösung, sondern auch für Dritte öffnen“. Damit ist gemeint, dass die Amerikaner die entsprechende Schnittstelle bislang für die Banken blockieren. Das hat u.a. zur Folge, dass die Mobile-Payment-Lösung der Sparkassen zwar auf Android-Handys funktioniert, nicht aber auf denen von Apple. Stattdessen will das US-Unternehmen die Banken dazu bringen (zwingen?), bei Apple Pay mitzumachen – eine lukrative Strategie, weil die Amerikaner in diesem Fall an den Händlergebühren beteiligt werden. Ein DSGV-Sprecher ließ gegenüber „Finanz-Szene.de“ offen, ob die Sparkassen der verbalen Klage juristische Schritte werden folgen lassen. Die Erfolgsaussichten wären vorerst fraglich. So hat EU-Wettbewerbskommissarin Vestager erst am Montag erklärt, sie erkenne bislang keine marktdominante Position von Apple Pay.

Hier die Dokumentation der DGSV-Mitteilung:

Die Sparkassen setzen sich dafür ein, mobile Zahlungslösungen für alle Kunden in Deutschland zugänglich zu machen und deren Entwicklung zu fördern. Bereits seit Juli 2018 können Sparkassen-Kunden mit ihren Android-Smartphones im Einzelhandel bezahlen. Dabei können neben Sparkassen-Kreditkarten (Mastercard) auch die 45 Mio. von Sparkassen ausgegebenen girocards zur Zahlung genutzt und digitalisiert werden.

Das jüngst gestartete „Apple Pay“ steht dagegen nur einem sehr engen Nutzerkreis teilnehmender Banken zur Verfügung. Der Grund dafür ist, dass Apple seine NFC-Schnittstelle nicht für andere Anbieter öffnet und auch die im Handel beliebte und bei Kunden weit verbreitete girocard bisher nicht als Zahlungsmittel integriert hat. Aus Sicht der Sparkassen ist aber genau das Voraussetzung dafür, dass sich mobile Bezahllösungen in Deutschland durchsetzen können.

Die Sparkassen-Finanzgruppe führt Gespräche mit Apple darüber, ob und wie das mobile Bezahlen auch für Nutzer von Apple-Endgeräten bereitgestellt werden kann. Um die Weiterentwicklung mobiler Zahlungslösungen hierzulande nicht zu bremsen, sollte Apple den Industriestandard NFC an seinen Endgeräten zu angemessenen Konditionen nicht nur für die eigene Lösung, sondern auch für Dritte öffnen. Denn auch die NFC-Technologie der Kartenzahlungs-infrastruktur im Einzelhandel steht allen Anbietern zur Verfügung. Letztendlich sollten Smartphone-Zahlungen auf allen Endgeräten möglich sein, ohne technische Hürden und Restriktionen, damit Kunden problemlos die für sie passende Lösung auswählen können.

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