Kurz gebloggt

Facebook neue Krypto-Währung „Libra“: Das sind die Details

19. Juni 2019

Von Christian Kirchner

Was es mit dem „Libra“-Projekt von Facebook ganz grünsätzlich auf sich hat,  hatten wir Ihnen am Montag ja schon sehr ausführlich erklärt.  Gestern nun hat der US-Konzern seine Pläne für eine globale Digitalwährungs offiziell vorgestellt. Drum hier nun alles, was wir am Montag noch nicht wussten:

Womit Facebook gestern überrascht hat. Teil I: Gebühren

Es ist nicht sicher, ob die Transaktionen tatsächlich kostenlos sein werden. Facebook bzw. „Libra“ sprechen von angedachten „low to no cost“ für die Transaktionen, an anderer Stelle indes davon die Rede, mittels einbehaltener Zinsen „die Transaktionskosten niedrig“ zu halten.

Womit Facebook gestern überrascht hat. Teil II: Verzinsung

„Libra“ muss für die eingezahlten Gelder der Kunden Reserven bilden, um die Deckung aufrechtzuerhalten. Es ist aber offenbar zunächst nicht vorgesehen, Kunden an den hierbei entstehenden Einnahmen zu beteiligen. Die Zinserträge sollen stattdessen „Betriebskosten begleichen, Transaktionsgebühren gering halten, Investoren auszahlen“, wie es im gestern vorgestellten Whitepaper heißt.  Und: „Die Nutzer von Libra erhalten keine Dividende aus der Reserve.“ Was die Frage aufwirft: Wie lassen sich Investoren bezahlen und Transaktionskosten decken, wenn die Zinseinnahmen versiegen oder gar negativ werden wie aktuell in vielen Industrieländern? Wird dann die „Münze“ schleichend entwertet oder Gebühren kosten? Auf diese Fragen gibt es noch keine Antwort.

Womit Nutzer rechnen müssen:

Der Begriff „Stablecoin“ ist nicht ganz treffend – der Rücktausch-Wert etwa eines deutschen Nutzers von „Libra“hängt auch von der Entwicklung der Währungspaare zueinander ab. Ein simples Beispiel: Betrüge die Basis eines „Libra“ zu je 33% Euro, Schweizer Franken und US-Dollar und tauscht ein deutscher Nutzer 100 Euro in „Libra“, ist anschließend die Wechselkurs-Entwicklung des US-Dollars und des Franken maßgeblich für den Rücktauschwert. Denn: Der „Libra“-Besitzer hält ja indirekt je ein Drittel seiner Anlage in Franken und US-Dollar, die „Libra“ hinterlegen muss.

Wo Facebook klug agiert:

Facebook ist sich seines Image als datenhungriger Großkonzern bewusst und versucht daher, Bedenken im Vorfeld zu zerstreuen: Nicht der US-Konzern selbst, sondern ein Schweizer Verein mit Sitz in Genf und aktuell 30 Mitgliedern führt „Libra“. Zudem teilen die Amerikaner mit, das für Aufbewahrung und Transaktion entscheidende digitale Wallet-System  „Calibra“ laufe unabhängig von Facebook oder anderen Drittparteien und teile keine Informationen ohne Zustimmung. Man werde „nicht die Kunden- und Finanzdaten nutzen, um die Werbung auf Facebook oder die Facebook-Produktfamilie zu verbessern“, heißt es in den vorläufigen Bedingungen. Wie sich das indes in der Praxis gestaltet bleibt abzuwarten, da viele Nutzer auch bei Facebook selbst und den Whatsapp-Diensten ihre Zustimmung zur Datenverwendung ohne nähere Lektüre rasch akzeptieren. Die Macher hinter „Libra“ erklären jedenfalls nicht, prinzipiell nie die Daten zu verwenden, sondern lediglich nie „ohne Zustimmung des Kunden.“

Was ist Sache in puncto Identity?

„Libra“ muss sich hier von Anfang an den typischen Regeln für Finanzkonzerne unterwerfen. Heißt: Die  Kunden müssen sich identifizieren, können also nicht mit Fake-Namen bei der Anmeldung arbeiten. Klassisches „Know Your Customer“. Ferner kündigte „Libra“ an, sämtliche Behörden zu unterstützen, sollte es um Geldwäsche- und Terrorismusverdacht gehen, und auch umfangreiche Compliance-Abteilungen aufzubauen.

Original-Quellen:

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