Kurz gebloggt

Aktie bis zu 20% runter: Was die „FT“ Wirecard diesmal vorwirft

15. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Ein am Dienstag früh veröffentlichter Investigativ-Report der  „Financial Times“ hat die Aktie von Wirecard um zwischenzeitlich mehr als 20% einbrechen lassen. Die Zeitung wirft dem Dax-Konzern vor, die Umsätze und Gewinne einer für Wirecard wichtigen Tochtergesellschaft in Dubai seien fragwürdig. Dabei beruft sich die „FT“ unter anderem auf angebliche interne Dokumente (die sie auf ihrer Website zum Download bereitgestellt hat). Wirecard bestreitet die Vorwürfe dem Bericht zufolge. Die Aktie erholte sich im Laufe des späten Morgens leicht, um 10:10 Uhr notierte sie bei minus 16%.  Damit schrumpfte der Börsenwert des Zahlungsdienstleisters um rund 3 Mrd. Euro.

Hier die wesentlichen Vorwürfe:

  • Im Mittelpunkt der Recherche steht ein Partner-Unternehmen namens „Al Alam Solutions“, das laut den Dokumenten, auf die die „FT“ sich beruft, angeblich die Hälfte der weltweiten Wircard-Gewinne im Jahr 2016 erwirtschaftet haben soll. Die Zeitung hatte schon in einem vorherigen Bericht behauptet, dass es sich bei der „Al Alam“ um eine Gesellschaft mit nur wenigen Mitarbeitern handeln soll. Dabei sei die Rolle des Unternehmens zentral für Wirecard: So habe „Al Alam“ im Jahr 2016 einen Umsatz von 265 Mio. Euro an Umsatz und einen „Ebitda-Effekt“ von 173 Mio. Euro zu den Wirecard-Zahlen beigetragen, sagt die „FT“. Das heiße in der Summe, dass Wirecard über „Al Alam“ mehr Gewinn erwirtschaftet habe als mit seinem übrigen Geschäft zusammen.
  • Laut den angeblichen internen Dokumenten soll „Al Alam“ 2016 und 2017 mit 34 „Kernkunden“ zusammengearbeitet haben. Die „FT“ gibt an, alle 34 Kunden kontaktiert oder dies zumindest versucht zu haben. Lediglich vier dieser Kunden hätten angegeben, tatsächlich Geschäft mit „Al Alam“ gemacht zu haben. 15 erklärten der „FT“ zufolge, sie hätten nie von der Gesellschaft gehört, acht waren dem Bericht zufolge 2017 wegen Übernahmen oder Schließungen – teils Jahre zuvor – gar nicht mehr tätig.
  • Die „FT“ behauptet, Wirecard habe die Dokumente, auf die sich die Zeitung beruft, bei einer ersten Konfrontation als gefälscht bezeichnet. Später habe der Dax-Konzern dann erklärt, die Dokumente zeigten lediglich einen aggregierten Blick auf Cluster von Kunden, folglich seien die Kundennamen nicht verlässlich und teils seien Alias-Namen verwendet worden. Darüber hinaus erklärte Wirecard, üblicherweise sei man selber der direkte Vertragspartner.
  • Die „FT“ zitiert darüber hinaus eine Stellungnahme Wirecards, laut der der Dax-Konzern jeden Vorwurf abstreitet, Finanzzahlen durch Mitarbeiter zu manipulieren. Alle Kundenbeziehungen seien Gegenstand regelmäßiger Prüfungen.

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