Exklusiv

Heimischer Wirecard-Rivale Heidelpay stellt sich zum Verkauf

25. April 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe Payment-Aficionados, natürlich sind Ihre Augen diese Woche (genauso wie die unseren) auf Wirecard gerichtet. Allerdings, dürfen wir Ihre Aufmerksamkeit ganz kurz auf ein benachbartes, auch nicht ganz unspannendes Thema lenken? Denn: Wussten Sie, dass Heidelpay  – also einer der wichtigsten Wirecard-Widersacher unter den Payment Service Providern/PSPs im deutschen Markt – offenbar schon wieder zum Verkauf steht? So berichtet es jedenfalls etwas verblümt die Fachpostille „Mergermarket“. Und so wurde es uns (unabhängig von „Mergermarket“) zuletzt auch von zwei Brancheninsidern erzählt.

Kurz zur Einordnung (damit auch nicht die Nicht-Aficionados zu ihrem Recht kommen): Heidelpay ist oder war einer der verbliebenen mittelständischen B2B-Zahlungsdienstleister in Deutschland. Das Geschäftsmodell? Sieht im Kern so aus: Das 2003 gegründete Heidelberger Unternehmen betreibt eine Plattform (auch Payment-Gateway genannt), über die Online-Shops Zugang zu verschiedensten digitalen Bezahlarten erhalten – von Kreditkarte über Paypal bis Online-Rechnungskauf. Es ist im Kern dasselbe Geschäftsmodell, wie es auch Wirecard oder auch der niederländische Fintech-Star Adyen betreiben und wir es vor ein paar Monaten mal in unserer großen Adyen-Wirecard-Analyse aufgedröselt haben:

https://www.finanz-szene.de/payments/wirecard-macht-rund-viermal-so-viel-marge-wie-adyen-aber-warum/

Die bloßen Geschäftszahlen von Heidelpay sind so beeindruckend nicht mit Erträgen in 2017 irgendwo im (unteren?) zweistelligen Millionenbereich*. Gleichwohl: In ebenjenem Jahr stieg der Finanzinvestor Anacap mehrheitlich bei Heidelpay ein. Und seitdem fährt das Unternehmen einen scharfen Wachstumskurs, wie sich unter anderem in der Übernahme des Frankfurter Inkasso-Spezialisten Universum zeigte. Auch hierzu finden Sie in unserem Archiv eine hoffentlich interessante Analyse:

https://www.finanz-szene.de/payments/beginnt-jetzt-die-vermaehlung-des-deutschen-payment-sektors-mit-der-inkasso-branche-2/

Jedenfalls: Bislang sah es so aus, dass Anacap bei Heidelpay eine Private-Equity-typische Buy-and-build-Strategie fährt. Nun sieht es  aber so aus, dass der auf die Finanzbranche spezialisierte Investor mit dem „Bauen“ womöglich schon fertig ist und stattdessen jetzt ans Kassemachen denkt. Laut „Mergermarket“ jedenfalls hat Anacap schon vor Monaten die US-Investmentbank JPMorgan und die Beraterfirma Corestar beauftragt, „strategische Optionen“ (normalerweise ein Synonym für „Verkaufsoptionen“) zu prüfen. Eine spannende Frage wäre, ob Heidelpay-Gründer Mirko Hüllemann (der nach dem Einstieg von Anacap nur noch einen Minderheits-Stake hält) seine Anteile im Zuge einer möglichen Transaktion dann auch verkaufen würde. Aus Heidelberg war gestern zu der ganzen Thematik allerdings kein Kommentar zu erhalten.

Und wer käme als Käufer infrage? „Mergermarket“ spekuliert u.a. über Worldline. Theoretisch wäre natürlich auch Wirecard denkbar. Unsere Quellen jedoch tippen auf die Dänen von Nets (bzw. die dahinter stehenden Finanzinvestoren Hellman & Friedman, Bain und Advent). 2018 hatte Nets ja schon den ehemals bankeneigenen deutschen Zahlungsdienstleister Concardis an sich gebunden. Heidelpay könnte als Ergänzung gut hierzu passen.

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