Planen die Banken eine Auffang-Lösung für Paydirekt?

20. Mai 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Vor wenigen Tagen war für die Payment-Verantwortlichen in den deutschen Banken die Welt mal ausnahmsweise in Ordnung. Da veröffentlichte das EHI-Institut seine (als Goldstandard geltenden) neuen Statistiken für den hiesigen Zahlungsverkehrsmarkt – und der große Gewinner war: die bankeneigene Girocard. Um 3,8 Prozentpunkte ist deren Marktanteil 2018 gestiegen. Darüber hinaus prophezeien Deutschlands Einzelhändler der einstigen EC-Karte laut EHI-Umfrage für die kommenden Jahre sogar noch einen weiteren Bedeutungszuwachs.

Das Problem: An den grundsätzlichen Limitierungen des Girocard-Modells („rein national und rein offline“, wie der Payment-Blogger Jochen Siegert prägnant zusammenfasst) ändern die guten Zahlen wenig. Und darum verwundern auch Pläne nicht, über die die Kollegin Elisabeth Atzler vom „Handelsblatt“ (Paywall) heute Früh exklusiv berichtet. Sie schreibt, die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) – also die Dachorganisation der großen Bankenverbände – prüfe eine Bündelung ihrer verschiedenen Bezahlverfahren. Neben der Girocard sind das die Online-Dienste Paydirekt und Giropay, die  P2P-Payment-App Kwitt sowie alles, was unter „Instant Payment“ fällt. Das Pläne firmierten unter dem Projektnamen „#DK“, so Kollegin Atzler.

Tatsächlich geisterte durch die Branche seit langem das Gerücht, die Banken überlegten, Paydirekt mit Giropay zu verschmelzen. Der „Handelsblatts“-Bericht (dessen wesentliche Erkenntnisse uns gestern Abend von Insidern bestätigt wurden) deutet nun allerdings darauf hin, dass die Paydirekt/Giropay-Überlegungen offensichtlich in einen größeren Kontext überführt werden sollen.

Im Kern, so sagen unsere Quellen, gehe es zunächst einmal um die Etablierung eines einheitlichen Zugangspunkts für den Einzelhandel. Sprich: Händler müssten die unterschiedlichen Bezahlverfahren der Banken nicht mehr einzeln anbinden, sondern bekämen eine Paketlösung geliefert (wobei sogenannte Payment Service Provider genau diese Dienstleistung auch heute schon für die Händler erbringen). Die Frage ist: Geht es wirklich nur darum – oder ist die Vision eine größere? Geht es womöglich um das, was Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz jüngst als Idee für eine europäische Bezahllösung skizziert hat?

Dann fragt sich allerdings, welche der bankeneigenen Verfahren sich überhaupt für eine Europäisierung eignen.

  • Die Girocard? Ist zwar im Ausland einsetzbar, allerdings nur dank Visa (V-Pay) bzw. Mastercard (Maestro). Wollten die deutschen Banken die Girocard internationalisieren, müssten sie diese Funktionen (und die zugrundeliegende Infrastruktur) selber anbieten, eine Herkules-Aufgabe.
  • Paydirekt? Die deutschen Banken haben es trotz erheblicher Investitionen nicht geschafft, ihren 2014 gegründeten Paypal-Widersacher bei Händlern und Verbrauchern wirklich zu etablieren. Wie soll das dann europaweit funktionieren?
  • Giropay? Als online-basiertes Überweisungsverfahren wäre das Joint-Venture von Postbank, Sparkassen und Volksbanken dank PSD2 in der Theorie tatsächlich skalierbar (wie das geht, hat der Rivale Sofortüberweisung gezeigt). Bloß: Dass Giropay nach mehr als einem Jahrzehnt als Mauerblümchen plötzlich zum Payment-Schwert der deutschen Banken avanciert? Schwer vorstellbar.

Tatsächlich darf man sich von der „#DK“-Initiative vermutliche keine Wunderdinge erwarten. Ähnliche geartete Pläne in der Vergangenheit (Stichwort u.a.: Monet) scheiterten kläglich – und die ausländische Konkurrenz ist mittlerweile entweder weit voraus (Paypal) oder hat sich in eine strategisch vielversprechende Angriffsposition gebracht (Apple Pay). So wird man beim Blick auf die Gemengelage einen Verdacht nicht los: Geht es am Ende vielleicht doch darum, irgendeine Form von Auffang-Lösung für Paydirekt zu finden?

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