Kurz gebloggt

Schnipsel aus dem Wirecard-Report: KPMG-Bericht erst Ende März?

6. November 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Wirecard wächst und wächst und wächst und hört gar nicht mehr auf zu wachsen – so die (altbekannte) Grundaussage der gestern vorgelegten Q3-Zahlen. Konkret: Der Umsatz ist von Januar bis September gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37,7% auf 1,9 Mrd. Euro gestiegen, das Ebitda um 38,4% auf 553 Mio. Euro.

Überraschender kommen ein paar andere Erkenntnisse, die der Quartalsbericht (Link) bereithält. Voilà:

1.) Kommt der KPMG-Bericht erst Ende März?

In einem am Montag veröffentlichten „Handelsblatt“-Interview war Wirecard-Chef Markus Braun (HB, Paywall) noch wie folgt zitiert worden: „Wir wollen der Prüfung nicht vorgreifen, wir hoffen, Anfang des Jahres die Ergebnisse vorstellen zu können. Uns ist sehr daran gelegen, das schnell zu erledigen.“ Im Q3-Bericht hingegen steht nun: „Der Abschluss der bereits gestarteten Untersuchung wird voraussichtlich für das Ende des ersten Quartals Im Geschäftsjahr 2020 erwartet.“ Auf Anfrage von Finanz-Szene.de teilt Wirecard mit, dass dem Unternehmen weiterhin an einer schnelle Klärung gelegen sei.

2.) Was ist denn jetzt mit den drei Mega-Kunden?

Vielleicht erinnern Sie sich: Ende August hatte Wirecard-Chef Braun verlautbart, sei Unternehmen habe „allein in den letzten vier Wochen drei Deals unterschrieben, die für sich genommen das Potenzial haben, das gesamte Transaktionsvolumen zu übertreffen, das 2018 über Wirecard abgewickelt wurde“. Aus dem Umfeld des Dax-Konzerns hieß es damals, in Aschheim werde damit gerechnet, dass sich besagte Umsatzpotenzial binnen zwei Jahren materialisieren könne.

Auf Nachfrage verweist eine Sprecherin auf einen Slide in der gestrigen Investoren-Präsentation (siehe unser Screenshot). Dort finden sich (teils prominente) Kunden, die Wirecard in diesem Jahr schon gewonnen habe. Ob sich darunter auch die drei Mega-Kunden finden, bleibt unklar.

3.) Warum sind die 900 Mio. Euro von Softbank noch nicht bilanziert?

Mitte September hatte es geheißen, der fremdkapitalseitige Einstieg des japanischen Tech-Investors  bei Wirecard sei besiegelt. Im Q3-Bericht ist von „nach dem Berichtszeitraum zugeflossenen“ Mittel die Rede; bilanziert sind die 900 Mio. Euro auch noch nicht. Wirecard teilt hierzu mit: „Der Zahlungseingang war in der ersten Oktoberwoche.“

4.) Was verrät der Q3-Bericht sonst noch über Wirecards Refinanzierung?

Dass weiterhin viel Bewegung herrscht. So finden sich unter „Cashflow aus Finanzierungstätigkeit“ (unserem Verständnis nach) folgende Erläuterungen:

  • Die Einnahmen aus der Aufnahme von Finanzverbindlichkeiten beliefen sich zum 30. September auf 1.054 Mio. Euro (30 Juni: 254 Mio. Euro).
  • Die Auszahlungen für die Tilgung von Finanzverbindlichkeiten beliefen sich zum 30. September auf 737,1 Mio. Euro (30. Juni: 6,7 Mio. Euro).
  • Im dritten Quartal sind also 800 Mio. Euro Finanzverbindlichkeiten hinzugekommen und 730 Mio. Euro getilgt worden.
  • Von den 800 Mio. Euro Zugang müssten 500 Mio. Euro auf die neu begebene Kapitalmarkt-Anleihe entfallen (nicht zu verwechseln mit der Softbank-Wandelanleihe)
  • Bei der Tilgung dürften 530 Mio. Euro auf die Rückführung von Bankkrediten entfallen sein
  • Heißt: Es verbleiben nach unserer Rechnung 300 Mio. Euro zusätzlich aufgenommene Finanzierungen und 200 Mio. Euro zusätzlich getilgte Kredite, die wir nicht zuordnen können

Wirecard bestätigt die Rechnung und teilt mit: „Es wurde kein zusätzlicher Kredit neu aufgenommen, hierbei handelt es sich lediglich um eine Inanspruchnahme der bestehenden Kreditfazilität. Die ursprünglich angedachte Mittelverwendung wurde hinfällig, daher flossen die Mittel wieder zurück, wie es bei einer Kontokorrentlinie (ständige Mittelzu- und -abflüsse) auch üblich ist.“

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