Kurz gebloggt

Warum Visa das Münchner Payment-Fintech Payworks kauft

17. Juli 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Dem 2012 gegründeten Münchner Fintech Payworks ist ein spektakulärer Exit geglückt. Der „Gateway Payment“-Spezialist wird von Visa übernommen, wie der Kreditkarten-Riese am Mittwoch bekannt gab. Die Amerikaner wollen die Cloud-basierte Technologie von Payworks nun mit ihrer digitalen Bezahl-Plattform CyberSource verknüpfen, heißt es in der Mitteilung. Zum Kaufpreis machte Visa keine Angaben.

Payworks hatte so richtig erstmals Anfang vergangenen Jahres für Aufmerksamkeit gesorgt, als diverse Investoren – darunter die Commerzbank und auch damals schon Visa – 14,5 Mio. Dollar in das Startup investierten. Gegenüber dem „Handelsblatt“ hatte Gründer Christian Deger die eigene Technologie damals wie folgt erklärt: Payworks verbinde die Kartenterminals im stationären Handel mit den Händlerbanken – und schaffe über das  „Payment Gateway“ einen Durchgang für die Zahlungsdaten. Das sei zwar nicht grundsätzlich neu. „Doch die Systeme sind veraltet und passen oft nicht mehr zu den heutigen Bedürfnissen“,  so Deger damals gegenüber dem „HB“: „Wir machen das moderner.“

Zu den größten Kunden von Payworks gehörte damaligen Angaben zufolge der deutsche Zahlungsdienstleister Concardis. Und da der frühere Concordis-Chef Marcus Mosen einer unserer regelmäßigen Gästeblogger ist, haben wir ihn gefragt, ob er uns einfach noch 1-2 Gedanken zum Geschäftsmodell von Payworks mit auf den Weg geben kann. Hat er gemacht!

Hier Mosens Einschätzung:

„Bereits die Beteiligung von Visa Inc. an Payworks Anfang 2018 war eine starke Indikation dafür, dass Visa ein hohes Interesse hat, Infrastrukturen und Plattformen, sowie mobile und smarte POS Paymentlösungen an den POS zu bringen und die Entwicklung dort zu unterstützen. Visa, wie auch MasterCard, stoßen mit ihren neuen Debitprodukten auf der Issuing-Seite oft auf nationale, überalterte Debitkartenlösungen.

In der Kombination mit der Onlinepayment und Fraud-Plattform „Cybersource“ und jetzt Payworks wird sich Visa noch stärker als Infrastrukturprovider für den realen und virtuellen POS positionieren. Damit unterstützt sie natürlich auch ihre Debit-Issuing Pläne auf der kartenherausgebenden Seite. Die Akquisition findet im derzeitigen Zeitfenster einer rasch fortschreitenden Konsolidierung von nationalen Paymentunternehmen statt.

Ziel dieser Konsolidierung sind die Schaffung von Plattformen, welche zukunftsfähig aufgestellt sind, mit einer internationalen, bzw. globalen Ausrichtung, und die auch über die notwendigen Skaleneffekte und Innovationskraft verfügen. Hiervon werden m.E. auch viele kleine Händler profitieren – nicht nur in Deutschland.“

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