Kurz gebloggt

Drei Erdbeben in der deutschen Payment-Branche

6. August 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Gab es früher nicht mal so was wie ein nachrichtliches Sommerloch? Zumindest für die europäische Payment-Branche scheint das nicht mehr zu gelten. Nur einen Tag nach der Übernahme des deutschen Payment Service Providers Heidelpay durch den amerikanischen Finanzinvestor KKR (zu einer unwirklich anmutenden Bewertung von angeblich fast 930 Mio. Euro) liefen gestern die beiden nächsten dicken Meldungen über die Nachrichten-Ticker: Mastercard erwirbt für knapp 3 Mrd. Euro einen Teil des dänischen Zahlungsdienstleisters Nets; und das schwedische Payment-Startup Klarna erhält von Venture-Capital-Investoren weitere 410 Mio. Euro und wird damit nun mit 4,9 Mrd. Euro bewertet.

Und was heißt das jetzt alles für die Zukunft der deutschen Payment-Branche? Immerhin gehören zu Klarna ja die beiden hiesigen Fintech-Startups Sofort und Billpay – während sich unter dem Dach von Nets gerade erst der ehedem bankeneigene Zahlungsdienstleister Concardis sowie ein weiteres sehr erfolgreiches hiesiges Payment-Fintech, nämlich der „Kauf auf Rechnung“-Spezialist Ratepay, eingenistet haben. Eine Ad-hoc-Analyse:

  • Die wichtigste Frage vorab: Sind Concardis und Ratepay von der Nets/Mastercard-Nummer betroffen? Antwort: Nach unserem Verständnis nicht. Denn das Händlergeschäft (und also auch das, was Concardis und Ratepay machen) geht nicht an der US-Kreditkartenkonzern, sondern verbleibt bei Nets und den dahinterstehenden Finanzinvestoren Hellman & Friedman, Bain und Advent.
  • Was heißt das nun für Concardis und Ratepay? Hängt davon ab, was Hellman & Friedman, Bain und Advent vorhaben. Im Grunde gibt es aus der Private-Equity-Logik heraus drei Optionen: 1.) Nets reinvestiert die knapp 3 Mrd. Euro, um das übrig gebliebene Händlergeschäft durch Zukäufe auszubauen. 2.) Nets reicht den Erlös an seine drei Eigentümer weiter und macht mit dem übrig gebliebenen Portfolio erst einmal weiter. 3.) Der Mastercard-Deal war nur der Anfang und die drei Finanzinvestoren wollen nun auch noch das Händlergeschäft von Nets abstoßen.
  • Der dritte Fall würde bedeuten, dass Concardis und Ratepay (zumindest im Bündel mit dem skandinavischen Händlergeschäft von Nets) wieder auf den Markt kämen. Spannend wäre in dem Fall vor allem, was aus der einstigen Otto-Tochter Ratepay wird. Denn das vermeintliche Concardis-Anhängsel ist – so hören wir zumindest – momentan dabei durchzustarten. Schicker Nebenaspekt: Das Geschäftsmodell von Ratepay (die Abwicklung von Ratenzahlungen und Rechnungskauf für den Online-Handel) ist zumindest teilidentisch mit dem von Klarna. Insofern könnte die neue Hammer-Bewertung für die Schweden auch auf Ratepay abfärben.
  • Ändert sich auch irgendwas für Sofort und Billpay? Vermutlich nicht. Zwar könnte man theoretisch fragen, wie gut Sofortüberweisung eigentlich (noch) zu Klarna passt. Allerdings: Wenn die Schweden Geld brauchen, dann besorgen sie sich das – siehe gestern – bei VCs und vermutlich eher nicht durch Abspaltung und anschließenden Verkauf irgendwelcher Gesellschaften.
  • Spannend ist hingegen, ob sich für KKR durch das gestrige Revirement weitere Zukaufsmöglichkeiten ergeben. Wie berichtet, hatte unter Branchenexperten ja eigentlich Nets (bzw. die dahinterstehenden Finanzinvestoren) als logischer Käufer von Heidelpay gegolten. Seit gestern weiß man: Hellman & Friedman, Bain und Advent hatten offenbar andere Prioritäten – nämlich verkaufen statt kaufen. Und nun? Landen Nets, Concardis und Ratepay am Ende bei KKR? Okay, okay – wilde Spekulation.
  • Und die deutschen Banken? Schauen sich das Milliardenspiel, ebenso übrigens wie Otto, von der Seitenlinie an.

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