Wirecard legt Abschluss vor – Ernst&Young nickt ab

25. April 2019

Von Christian Kirchner und Heinz-Roger Dohms

Die zweieinhalbmonatige Zitterpartie um den größten deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard dürfte fürs Erste beendet sein. Nach diversen Medienberichten über angebliche Bilanz-Mauscheleien legte der Dax-Konzern am Morgen seinen 2018er-Abschluss vor – inklusive eines uneingeschränkten Testats des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young. Damit sendet Wirecard binnen 24 Stunden das nächste Vertrauenssignal, nachdem gestern Früh bereits verkündet worden war, dass der renommierte japanische Tech-Investor Softbank bei dem bayerischen Payment-Spezialisten einsteigt. Später am Tag steht noch die Bilanz-Pressekonferenz an, der erste öffentliche Auftritt von Vorstandschef Markus Braun, seit die „Financial Times“ Ende Januar den ersten von mehreren kritischen Artikeln über Wirecard veröffentlichte.

Ernst & Young geht in einem achtseitigen, eng beschriebenen Bestätigungsvermerk auf mehrere der kritischen Punkte als „besonders wichtige Prüfungssachverhalte“ explizit ein. So heißt es wörtlich…

… über das Asien-Geschäft, insbesondere die Vorwürfe in Zusammenhang mit dem Singapur-Geschäft:

„Direkte und indirekte Auswirkungen der Erkenntnisse aus Untersuchungen, die aufgrund der Anschuldigungen durchgeführt wurden, betreffen insbesondere die Werthaltigkeit von immateriellen Vermögenwerten, die Existenz von Umsätzen sowie den Bestand an und die Werthaltigkeit von Forderungen. (…)  Prüferisches Vorgehen: Zur Prüfung des Ansatzes von Umsatz- und Einkaufstransaktionen, der Bewertung von Forderungen und Verbindlichkeiten sowie der Abbildung von Verträgen in der Finanzbuchhaltung und im konsolidierten Konzernabschluss haben wir uns mit den von den gesetzlichen Vertretern der Gesellschaften des Wirecard Konzerns eingerichteten Prozessen zur inhaltlichen Aufbereitung der Anschuldigungen auseinander gesetzt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben wir mit den uns vorgelegten Ausarbeitungen unabhängiger Dritter sowie der internen Compliance Abteilung abgeglichen. Auf dieser Grundlage haben wir ausgeweitete Prüfungshandlungen zu ähnlichen Sachverhalten vorgenommen. Zudem haben wir Vorgänge sowie die getroffenen Einschätzungen zu Sachverhalten in Gesprächen mit Funktionsträgern der betroffenen Gesellschaften, Lieferanten, Kunden und einbezogenen Rechtsanwälten, auch unter Einbindung eigener forensischen Experten, gewürdigt. Aus unseren Prüfungshandlungen haben sich keine Einwendungen gegen die bilanzielle Behandlung von Sachverhalten auf Grundlage der Erkenntnisse aus Untersuchungen, die aufgrund von Beschuldigungen eines Hinweisgebers in Singapur durchgeführt wurden, ergeben.

… über die Werthaltigkeit der Geschäftswerte:

„Insbesondere haben wir unter Einbezug von Bewertungsspezialisten in das Prüfungsteam die zugrundeliegenden Bewertungsmodelle sowohl methodisch als auch rechnerisch nachvollzogen. Ferner haben wir untersucht, ob die Konzernplanung allgemeine und branchenspezifische Markterwartungen widerspiegelt sowie die im Rahmen der Schätzung der Nutzungswerte verwendeten Bewertungsparameter – insbesondere die geschätzten Wachstumsraten, die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensätze sowie die Steuersätze – gewürdigt. Zur Beurteilung der Planungstreue haben wir einen Soll-Ist Abgleich von historischen Plandaten mit den tatsächlichen Ergebnissen vorgenommen. Zudem haben wir uns mit den durch die gesetzlichen Vertreter erstellten Sensitivitätsanalysen der Nutzungswerte gegenüber der Veränderung bedeutender Annahmen befasst, um den Einfluss von Änderungen bestimmter Parameter zu verstehen und ein mögliches Wertminderungsrisiko einschätzen zu können. Weiterhin haben wir die entsprechenden Angaben im Konzernanhang beurteilt. Aus unseren Prüfungshandlungen haben sich keine Einwendungen hinsichtlich der Bewertung der Geschäftswerte ergeben.“

… über die Bewertung der Forderungen sowie Realisierung und Ausweis der Umsatzerlöse gegenüber Acquiring-Partnern

„Im Rahmen unserer Prüfungshandlungen haben wir die vertraglich mit den Acquiring-Partnern vereinbarten und unternehmensintern festgelegten Verfahren sowie die im Rahmen des Risikomanagementprozesses bestehende Überwachung und Steuerung der Acquiring-Partner durch die gesetzlichen Vertreter gewürdigt und die Kontrollmechanismen hinsichtlich der Forderungsbewertung getestet. Zur Beurteilung der finanziellen Risiken haben wir darüber hinaus Bestätigungsschreiben der Acquiring-Partner für das Bestehen der Forderungen sowie von Chargebacks / Fines eingeholt und diese Angaben bei der Beurteilung der Bewertung der Forderungen berücksichtigt. Als weitere Nachweise zum Bestehen der Forderungen haben wir Zahlungseingänge der Acquiring-Partner nachvollzogen. (…) Aus unseren Prüfungshandlungen haben sich keine Einwendungen hinsichtlich der Bewertung der Forderungen sowie der Realisierung und des Ausweises der Umsatzerlöse gegenüber Acquiring-Partnern ergeben.“

Die Wirecard-Aktie eröffnete den Handel zwei Prozent fester.

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