Kurz gebloggt

Die vier wichtigsten Lehren aus dem Q-Bericht der Commerzbank

7. November 2019

Von Christian Kirchner

Eine Überraschung waren die (ordentlichen) Quartalszahlen der Commerzbank nicht mehr – denn dass es beim operativen Gewinn (+30% auf 448 Mio. Euro) kräftig nach oben gegangen ist, hatte die Bank ja schon vorab mitgeteilt.

Dennoch hält der Quartalsbericht der einige spannende Lehren bereit, wie es um die Bank und ihre künftige Ertragskraft bestellt ist.

  • Erstens: Das Zinsgeschäft läuft paradoxerweise besser als das Provisionsgeschäft.
  • Zweitens: Bei der Neukundenakquise gewinnt die Commerzbank nunmehr – anders als noch bis zu Jahresbeginn – deutlich mehr neue Kunden als die Tochter Comdirect.
  • Drittens: im Firmenkundengeschäft hat der künftige Vorstand Roland Boekhout einiges zu tun. Der Trend beim Gewinn zeigt klar nach unten
  • Und schließlich, viertens: liefern die Quartalszahlen wichtige Hinweise, warum sich die Commerzbank zu ihrer Strategie „Commerzbank 5.0“ entschieden und dabei sehr bescheidene Ertrags- und Rentabilitätszielen verkündet hat. Denn: Sollte es der Coba wirklich gelingen, in den nächsten Jahren ihren Gewinn hochzufahren – dann wird das nach menschlichem Ermessen nur über die Kostenseite gehen.

Hier die vier Lehren im Detail:

1.) Zinsüberschüsse steigen – aber das Provisionsgeschäft lahmt

Seit nunmehr zwei Jahren geht es bei der Commerzbank in Sachen Ertrag nicht voran: mal sind es 2,1 Mrd. Euro je Quartal, mal, wie nun im Q3, 2,2 Mrd. Euro. Auch daher kappte die Commerzbank gestern das Ziel, 2019 die Überschüsse zum Vorjahr zu steigern – das Ziel steigende Erträge strich sie bereits Ende September.

Unter der Oberfläche der Stagnation ist das Bild wie folgt: Der hier schon öfters thematisierte Trend hin zu steigenden Zinsüberschüssen hält an. Gegenüber dem Vorjahresquartal stieg das Zinsergebnis um 3%, über die Neun-Monats-Periode (zum Vorjahr) betrachtet sogar um 7%. Dagegen der Provisionsüberschuss trotz freundlicher Börsen und eines starken Neukundenwachstums: minus 1% auf Quartalsbasis, minus 3% auf Neunmonatsbasis.

Offenbar nutzt die Commerzbank den jüngsten Zinsrückgang im laufenden Jahr noch einmal zur Margenausweitung und treibt parallel über das Volumen die Zinserträge. So heißt es etwas versteckt in der Analysten-Präsentation, im Baufigeschäft sei das Volumen (+1,1 Mrd. auf 79,2 Mrd. Euro) und seien die Margen (!) ausgebaut worden (siehe hierzu unsere Baufi-Margen Analyse von neulich).

2.) Neukunden: Commerzbank ist wieder Kuchen, Comdirect der Krümel

Beim Neukunden-Wachstum verfestigt sich der Eindruck, dass nunmehr die Commerzbank und nicht mehr die Tochter Comdirect im Mittelpunkt der Kampagnen steht. En detail:

  • 2018  gewann die Commerzbank netto 420.000 Kunden, davon allerdings 240.000 über die Comdirect. Macht für die Tochter einen Anteil von 57%.
  • In Q1 2019 steigerte die Comdirect diesen Anteil sogar auf 68%
  • In  Q2 sank der Anteil der Comdirect indes auf 41%
  • Und in Q3 betrug der Anteile nur noch 33% (gemessen an 141.000 neuen Kunden insgesamt bei der Commerzbank, denn die weist stets die Summe der Kunden Commerzbank und Comdirect aus)

Markteffekte? Möglich. Die Neukunden-Kampagnen unterliegen allerdings gezielten Steuerungen und sind in der Regel eine Folge des Marketing- und Incentivierungs-Aufwands. Praktisch, dass sich der Commerzbank-Vorstand jetzt nicht mehr vorhalten lassen muss, die Tochter sei (absolut betrachtet) wachstumsstärker als die Mutter.

3.) Roland Boekhout hat einiges zu tun

Blickt man auf die Segmente, ist das Bild eindeutig: Im Geschäft mit Privat- und kleineren Geschäftskunden stimmen die Trends bei Erträgen (+10% zum Vorjahresquartal), bei den Kosten (-3%) und somit auch beim operativen Gewinn (+70% auf 315 Mio. Euro).

(Nachtrag: wie der geschätzte Kollege Steve Arons von Bloomberg via Twitter anmerkt, ist der vordergründig positive Ertragstrend der Privatkundensparte ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Ohne die zum Verkauf stehende mBank verzeichnet demnach auch das deutsche Privatkundengeschäft einen Rückgang der Erträge zum Vorjahresquartal)

Im Firmenkundengeschäft ist der Trend genau umgekehrt. Hier sinken die  Erträge (-9%) rascher als die Kosten (-3%), weshalb der Ergebnisbeitrag (Q3: -13% auf 139 Mio. Euro) gehörig unter Druck steht. Puuuh.

Das macht die Aufgabe für den von der ING Groep abgeworbenen, künftigen (ab 1. Januar) Firmenkundenvorstand Roland Boekhout … nun ja:  herausfordernd. (übrigens, falls Sie es noch nicht gelesen haben, hier nochmal die Hintergründedes Boekhout-Coups)

4.) Was die Bank zur Strategie „Commerzbank 5.0“ zwingt

Mit Blick auf die Q3-Trends (Z-Überschuss rauf; P-Überschuss runter) wird noch deutlicher, warum sich die Bank zu ihrer „Commerzbank 5.0“-Strategie gezwungen sieht (und der Aktienkurs nicht aus dem Quark kommt): Auf höhere Gewinne wird die Coba künftig wohl nur über die Kostenseite kommen.

Denn: Das Hoch beim Zinsergebnis dürfte ein vorübergehendes bleiben. Und bei den Provisionen ist die Commerzbank schon lange den Beweis schuldig, dass sie hier markante Zuwächse erzielen kann. Bleiben: die Kosten.  Die sind von Januar bis September passenderweise schon mal stärker (-3,5%) gesunken als die Erträge (9M -1%).

Passend dazu kündigt die Commerzbank daher bis 2023 signifikant sinkende Kosten an (-600 Mio. Euro/Jahr). Bei den Erträgen hält sie sich indes bedeckt – die sollen zumindest nicht sinken.

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