Kurz gebloggt

Fünf teils unerwartete Erkenntnisse über den deutschen Bankenmarkt

25. Juni 2019

Von Christian Kirchner

Um Missverständnissen vorzubeugen: Finanz-Szene.de hat nicht vor, zur Research-Halde der UBS zu werden. Aber manchmal sind die Dinge halt so, wie sie sind. Und momentan sind sie eben so, dass wir binnen kurzer Zeit auf zwei Analysen der Schweizer Großbank zum (deutschen) Bankenmarkt gestoßen sind, die wir allesamt für berichtenswert halten. Und deshalb: Wollen wir nach „Woran krankt das deutsche Bankentum wirklich“ und „Was der Filial-Kahlschlag bringen würde – nämlich wenig …“ heute auch noch den dritten (und letzten …) Teil unserer kleinen UBS-Research-Trilogie folgen lassen. Titel, siehe oben: „Fünf teils unerwartete Erkenntnisse über den deutschen Bankenmarkt“. Los geht’s:

Ohne Bankenabgaben lägen die Eigenkapitalrenditen deutscher Banken (mindestens) um rund ein Drittel höher.

Dass die deutschen Banken zu wenig profitabel seien, ist ein alter Klassiker. Tatsächlich betrug die Eigenkapitalrendite der hiesigen Kreditwirtschaft 2017 laut UBS-Analyse gerade mal 3,1% – während die Banken in Großbritannien, Italien, Frankreich und der Schweiz auf rund 4% bis 6% kamen. Allerdings zeigt die Studie der Züricher Großbank sehr schön, dass die (vermeintliche) Schmalspur-Rendite zum Teil auch auf bilanzielle Besonderheiten zurückzuführen ist.  Allein die Bereinigung um die Rückstellungen für den „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ (eine deutsche Spezialität nach Paragraph 340g HGB) würde den „Return on Equity“ auf 4,2% steigen lassen. Übrigens ist der UBS-Analyse auch zu entnehmen, wie hoch die kumulierten 340g-Reserven der deutschen Banken insgesamt sind. Per Ende 2018 beliefen sie sich demnach auf 110 Mrd. Euro.

Für deutsche Banken steht ab sofort nicht weniger als 30% ihrer Gewinne auf dem Spiel.

Die Zinsmargen in Deutschland sind – auch wenn Bankern gern anderes behaupten – trotz Zinsverfall seit Jahren stabil. Das lag zum einen daran, dass die Einlagenzinsen sukzessive gegen Null (oder teilweise sogar darunter) gesunken sind. Und zum anderen, daran, dass die Banken lange Zeit von gut verzinsten Altkrediten profitiert haben (und davon, dass Kunden diese Kredite nicht nachverhandelt haben, selbst wenn sie die Möglichkeit dazu gehabt hätten). Beide Effekte laufen nun aber allmählich aus. Mit verheerenden Folgen für die GuVs vieler deutscher Banken. Denn sollten die Zinsen da bleiben, wo sie sind, und gelingt es den Instituten nicht gegenzusteuern, stünden knapp 30% der aktuellen Gewinne auf dem Spiel, schätzt die UBS

Der „Irgendwas ist ja immer“-Effekt war massiv

Seit 2011 haben deutsche Banken 37 Mrd. Euro (!) an Einmalkosten gebucht, unter anderem für Restrukturierungen, Rechtsrisiken, Abschreibungen und andere Sonderbelastungen.

Die deutschen Banken haben eher ein Ertrags- denn ein Kostenproblem

Die Konsolidierung der deutschen Bankenbranche läuft, abzulesen zum Beispiel an der Zahl der Banken (2017: -3%) und der Filialen (2017: -6%). Dass der Aufwand seit 2011 dennoch um 3,8% gestiegen ist, sei u.a. regulatorisch erklärbar, sagen die UBS-Analysten – und konstatieren, die deutschen Banken hätten ihre Kosten mittlerweile „unter Kontrolle“. Problematisch hingegen sei, dass im gleichen Zeitraum die Erträge (-2,4%) gesunken seien. Und dass es an Rezepten mangele, den aufgrund der Niedrigzinsen zu erwartenden weiteren Verfall der Erlöse zu kompensieren.

Nicht die ING-Diba-Kunden sind die mobil-affinsten – sondern angeblich die von Commerzbank, DKB und Deutsche

Wie affin sind deutsche Bankkunden mobilen Anwendungen gegenüber?  Eine simple Frage – die allerdings für die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle von großer Bedeutung ist, schließlich eröffnet es Kostensenkungs- und Ertragspotenziale, wenn die eigene Kundschaft gern mobil arbeitet. Und das Risiko sinkt, von digitalen Wettbewerbern attackiert zu werden. (Nicht zu vergessen die PSD2-Richlinie, die „Mobile Banking“ gegenüber „Desktop Banking“ bevorzugt).

Jedenfalls: Die UBS-Analysten haben eine Kennziffer entwickelt, die den Download-Marktanteil deutscher Banking-Apps in Relation zum Retail-Marktanteil derselben Banken setzt. Laut UBS sind demnach die Commerzbank, die DKB und die Deutsche Bank „am weitesten in der Kurve der mobilen Adaption“. Schwach schneidet hingegen die Postbank ab, und auch die deutsche ING ist unterdurchschnittlich unterwegs.

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