Exklusiv

Bethmann Bank spart sich zu einem Minimalgewinn

23. August 2019

Von Christian Kirchner

Der ein oder andere Leser erinnert sich womöglich  an unsere Geschichte zur mauen Ertragslage bei der Bethmann Bank aus dem Mai. Zwar basierte die Analyse auf den 2017er-Zahlen, denn nur die lagen uns damals schon vor. Allerdings gab uns die Bank zumindest schon mal mündlich eine Indikation, wie denn 2018 gelaufen sei – und zumindest daran erinnen wir uns noch sehr gut: Das „operative Ergebnis“ habe bei 12 Mio. Euro gelegen, hieß es damals. Wobei es sich bei dieser Kennziffer um eine „interne Steuerungsgröße“ handle, die „unter anderem auf IFRS“ basiere.

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Interne Steuerungsgröße? Gut und schön. Wir für unseren Teil verlassen uns allerdings lieber auf testierte Zahlen. Und die (also die für 2018) liegen seit einigen Tagen jetzt endlich vor.

Was sieht man? Das HGB-Ergebnis aus der normalen Geschäftstätigkeit ebenso wie der Gewinn, den man an die niederländische Mutter ABN Amro abführt, betragen jeweils in der Tat rund 12 Mio. Euro. Allerdings nur, wenn man zwischen die „1“ und die „2“ ein Komma setzt. Da sind es nämlich nur 1,2 Mio. Euro.

Und wie schon im letzten Jahr (und im Jahr davor) sind es wieder mal  „sonstige betriebliche Erträge“, die das Ergebnis über die Nulllinie hieven. Konkret geht es etwa um 4,3 Mio. Euro, gewonnen unter anderem über die  „Auflösung von Rückstellungen“. Der Unterschied zwischen 1,2 und 12, sagt die Bethmann Bank, erkläre sich durch „transformationsbedingte Aufwendungen, etwa den Standortwechsel in Frankfurt“.

Und was steht sonst so in der 2018er Bilanz?

Bevor hier der Eindruck entsteht, dass bei Finanz-Szene.de nur gemoppert wird: Die Bethmann Bank hat 2018 Nettomittelzuflüsse in Höhe von 370 Mio. Euro generiert – angesichts des schwierigen Börsenjahrs mehr als beachtlich. Zur Erinnerung: Der Dax taumelte 2018 um 18% nach unten.

Und: Während viele Banken inflationär von Kostensenkungen reden, von ebendiesen Senkungen dann aber nichts zu sehen ist, gingen bei Bethmann die Personalkosten – das zweite Jahr in Folge – tatsächlich runter, und zwar markant, um 16%. Die Bank führt das vor allem auf die „positiven Folgen der Restrukturierungsmaßnahmen“ zurück.

Zentrale selbst gesteckten Ziele hat die Bank dennoch verfehlt:  Beim verwalteten Vermögen wollte man zum Jahresende bei 37,5 Mrd. Euro sein – und landete bei 35,3 Mrd. Euro. Hier verhagelte das schlechte Schlussquartal an den Börsen den Zielsprint gründlich.

Auch bei der Cost-Income-Ratio geht es in eine andere Richtung als geplant. Bei (immer noch hohen) knapp unter 90% wollte man 2018 landen. 97% sind es am Ende geworden, „beeinträchtigt durch höhere regulatorische Kosten sowie Sonderabschreibung der Mieteinbauten als auch geringere Erträge als prognostiziert“; wie es dazu wörtlich heißt.

Die Gesamtschau:

Kennziffern Bethmann Bank 2018, in Mio. Euro

2018 2017 Veränderung %
Zinsüberschuss 59 56 5%
Provisionsüberschuss 97 100 -3%
Personalaufwand 56 67 -16%
Verwaltungsaufwand 79 78 1
Ergebnis vor Gewinnabführung 1 6 -80%
Anzahl Niederlassungen 12 12 .
Durchschnitt Mitarbeiter 473 502 -6%

Quelle: Bethmann Bank Geschäftsbericht, gerundet

Das ist, auf einen Blick, in Sachen Ertragskraft alles sehr dünn –  wobei man das ja auch von anderen Privatbanken kenntDie Planungen sind dennoch, gelinde gesagt, sehr ambitioniert. Vereinfacht: Die Erträge sollen schon 2019 endlich rauf, die Kosten (noch) weiter runter, so dass die Cost-Income-Ratio auf 80% sinken soll. Dazu beitragen soll ein massiver Anstieg des verwalteten Vermögens auf 40 Mrd. Euro.

Finanz-Szene.de bat Bethmann um einen Zwischenstand – aktuell liegt die Asset-Basis demnach bei 37 Mrd. Euro, die Cost-Income-Ratio indes weiter bei über 90%.

Und wenn der massive Rutsch der Cost-Income-Ratio auf 80% doch noch gelingt? Könnte man nach drei Jahren der Restrukturierung eigentlich mal durchschnaufen im Marienforum gleich gegenüber der Deutschen Bank, wo die Bethmann Bank unter der Führung des Niederländers Hans Hanegraaf im Frühjahr neue Geschäftsräume als Hauptquartier bezogen hat.

Und dann aber bitte weiter sparen. Denn das Ziel der Cost-Income-Ratio für 2021 hat die Bank verglichen mit dem Ausblick ein Jahr zuvor verschärft – 70% sollen es dann noch sein bei einer Eigenkapitalrendite von 10 bis 15 Prozent.

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