Kurz gebloggt

600 Euro pro Kunde & 5,3 Mio € Verlust: Die Zahlen zu Exporo

3. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Unsere Sicht auf das Geschäftsmodell des Immo-Crowd-Marktführers Exporo hatten wir Ihnen neulich ja aufgedröselt. Nun hat sich (aus Anlass der am Mittwoch verkündeten Übernahme des Konkurrenten Zinsland) auch der Mann zu Wort gemeldet, der den „Business Case“ sogar noch ein gutes Stück besser versteht – nämlich Exporo-CEO Simon Brunke.

Getan hat er das im Podcast der „Online Marketing Rockstars“ (hier direkt zum Audio). Und was soll man sagen? Brunke war sehr auskunftsfreudig:

So führte er unter anderem aus, die Kunden-Akquisitionskosten von Exporo lägen bei rund 500 bis 700 Euro. Wobei man allerdings eine hohe „Conversion“ von rund 20% aus den Leads habe, die man über Kanäle wie Online- oder TV-Werbung generiere.

Und: Einmal an Bord, würden die inzwischen 20.000 Exporo-Kunden ihr Geld immer wieder neu anlegen, im Schnitt gehe es um knapp sechs Investments mit einer durchschnittlichen Anlagesumme von knapp 3000 Euro pro Jahr. Als Binnenumsatz blieben letztlich zwischen 5% und 6,5% an jedem von Anlegern investierten Euro bei Exporo.

„Profitabel“ freilich arbeitet Exporo dann doch noch nicht, auch wenn Gründer Brunke das neulich im Gespräch mit Finanz-Szene.de so angedeutet hatte. Sondern:  Laut dem 2018er-Abschluss, der seit dieser Woche im Bundesanzeiger einsehbar ist, hat Exporo voriges Jahr einen Fehlbetrag von 5,3 Mio. Euro erwirtschaftet, nach einem Minus von rund 4 Mio. Euro im Jahr zuvor. Viel mehr verrät der Abschluss leider nicht zu über das Unternehmen. Denn obwohl Exporo nach eigenen Angaben über eine halbe Mrd. Euro Anlegergelder vermittelt, gilt das Unternehmen zum Bilanzstichtag als „kleines Unternehmen“ in dem Sinne, dass es zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt:

  • maximal 50 Mitarbeiter
  • maximal 6 Mio. Euro Bilanzsumme
  • maximal 12 Mio. Euro Umsatz.

Da die Mitarbeiterzahl bei 107 lag, muss der Umsatz also streng genommen unter 12 Mio. Euro gelegen haben – und damit auch unter den 14 Mio. Euro, die „Deutsche Startups“ neulich genannt hatte. Aber sei’s drum.

Ein schwindelerregender Satz übrigens findet sich noch im Geschäftsbericht. So gibt der Wirtschaftsprüfer zum Besten:

„Wir verweisen auf die Angabe ‚Fortführung der Unternehmenstätigkeit‘ im Anhang, in denen die gesetzlichen Vertreter beschreiben, dass sich die Gesellschaft in einer angespannten Liquiditätslage befindet.“

Diese Feststellung freilich datiert auf den 5. Juni 2019 (das war der Tag des Testats).  Kurz darauf war der Satz vermutlich Makulatur. Denn da verkündete Exporo ein Funding in Höhe von 43 Mio. Euro. Was machen da schon 5,3 Mio. Euro Fehlbetrag?

Oder, wie sagt Brunke doch gleich im OMR-Podcast: Er habe erst lernen müssen, die „Burn Rate“ auf Anraten seiner Investoren hochzufahren. Mal sehen, wie weit die Lernkurve noch nach oben führt. Die Übernahme von Zinsland, über die zuerst „Finance Forward“ berichtete, jedenfalls soll zu einer niedrigen zweistelligen Millionenbewertung erfolgt sein. Allerdings floss nur ein Teil des Kaufpreises in bar – der Rest in Anteilen. Also nur ein teilweiser Effekt auf die angestrebte Cash-Burn-Steigerung.

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